|
| Demenzen wenn die
Durchblutung schuld ist |
| über die Schwierigkeiten im Einzelfall die Schädigung durch die
Durchblutungsstörungen nachzuweisen |
|
Am häufigsten sind neben der
Alzheimer'schen Demenz Durchblutungsstörungen bei
Arteriosklerose der Hirngefäße eine Ursache der Demenz:
Wann wirklich Durchblutungsstörungen gemeint sind. Wie
schwierig die Unterscheidung zwischen den Formen ist und wann das was man im
Bild sieht tatsächlich auch eine Bedeutung hat.
Binswanger Demenz
Synonyme sind SAE –
subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie, Leukoaraiose,
Präsenile Demenz, Lower body Parkinson.
1894 beschrieb Otto Binswanger
in einem Manuskript die Differentialdiagnose der allgemeinen progressiven Paralyse der Verrückten. Er beschrieb einen syphilitischen
Mann Mitte 50 der eine zunehmende Verschlechterung seiner geistigen Funktionen
zu beklagen hatte, er litt dabei unter Sprachstörungen, Gedächtnisstörungen,
Depressionen, und Persönlichkeitsveränderungen, bei gleichzeitig vorhandener
zunehmender Schwäche der Beine und einem leichten Tremor der Hände. Bei der
Autopsie zeigte die harte Hirnhaut an der Schädelbasis granuläre Ablagerungen,
es fand sich eine minimale intrakranielle Arteriosklerose, eine deutliche
Erweiterung der Seitenventrikel und eine Atrophie der weißen Substanz sowie
multiple ependymale Verdickungen. Alzheimer griff den Fall seines Mentor 1902
wieder auf. Genauere histologische Beschreibungen folgten allerdings nicht. Die
progressive subkortikale vaskuläre Enzephalopathie (Typ Binswanger) bereitet
wegen der Ähnlichkeit des klinischen Verlaufs und der oft nur angedeuteten
neurologischen Herdsymptome differentialdiagnostische Schwierigkeiten in der
Abgrenzung zum M. Alzheimer. Sie zeigt vor allem vaskuläre Läsionen im
Großhirnmarklager, die exakter mit MRT dargestellt werden (patchy white matter
lesion, Leukoaraiose). Da gleichartige Veränderungen im Marklager bei geistig
intakt älteren Menschen, aber auch bei Alzheimer-Patienten auftreten, müssen sie
erheblich ausgeprägt sein, um eine milde bis mäßige Demenz zu erklären.
Hinzukommt, dass sich die weißen Flecken offensichtlich bei bereits an einer
Alzheimer Demenz erkrankten deutlicher auswirken. Eine neue Studie kam zu dem
Ergebnis, dass die genannten Veränderungen der weißen Hirnsubstanz bei dementen,
wie nicht dementen Alten häufig sind. Im Frühstadium der Alzheimerdemenz sollen
sie aber im Gegensatz zu den Gesunden zu kognitiven Einschränkungen führen. Arch
Neurol. 2005;62:1870-1876
Histologisch besteht die weiße Hirnsubstanz aus Oligodendrozyten, Astrozyten,
und Axonen, die zu weiter entfernten Hirnregionen ziehen. Als histologische
Grundlage der weißen Flecken im Kernspin sind Veränderungen der Myelinscheiden
mit Demyelinisation, eine reaktive Gliose und verschiedene mikrovaskuläre
Veränderungen bekannt. Da die weiße Substanz in dieser Hirnregion nur von
kleinen Gefäßen, die Endarterien ohne Anastomosen sind, versorgt wird, sind die
mikrovaskulären Veränderungen natürlich bedeutsam. Hinzukommt, dass es sich um
ein Grenzstromgebiet zwischen verschiedenen Gefäßen handelt. Die spezielle
Gefäßversorgung macht diese Hirnregion anfällig für Durchblutungsstörungen
verschiedener Ursache. Hochdruck ist der Hauptrisikofaktor. Hyperintensitäten
der weißen Substanz im MRT die konfluieren bezeichnet man als Leukoaraiosis, sie
treten meist als bilateral diffuse oder fleckige Veränderungen besonders im
Centrum semiovale. Inzwischen ist bekannt, dass das Vorhandensein solcher
Läsionen auf ein erhöhtes Schlaganfallrisiko, Herzinfarktrisiko und ein erhöhtes
Risiko eine kognitive Beeinträchtigung zu entwickeln hinweisen. Konfluierende
Leukoaraioseherde weisen auf mikrovaskuläre pathologische Veränderungen hin, so
genannte periventrikuläre Caps dagegen nicht. Die genaue Ursache der weißen
Flecken ist weiter nicht bekannt, man nimmt aber an, dass sie
Durchblutungsstörungen entsprechen. Solche mikrovaskulären Veränderungen finden
sich auch bei 90% der Alzheimerpatienten. Durch Ablagerung von Ab1-40 kommt es
hier zur zerebralen Amyloidangiopathie. In den senilen Plaques hingegen lagert
sich Ab1-42 ab. Die Übergänge zwischen vaskulärer Demenz und Alzheimerdemenz
sind also fließend. Zu
berücksichtigen ist, dass bei 15 – 30% aller gesicherten Alzheimer-Patienten
zusätzliche vaskuläre Läsionen vorhanden sind. Die Binswanger Demenz
resultiert nach der Beschreibung aus lakunären Infarkten im Hirnstamm und den Basalganglien, es
handelt sich um eine diffuse vaskuläre Marklagerschädigung. Der Verlauf
ist langsam progredient. Die Hirnventrikel sind erweitert, die weiße Substanz
um die Ventrikel herum ist geschädigt und im Volumen im Kernspin oder CT
vermindert, die corona radiata, und das Zentrum semiovale sind ebenfalls
geschädigt. Histologisch finden sich verdickte hyalinisierte Arterien in der
basalen grauen und weißen Substanz. Es wird uneinheitlich bewertet, ob es sich
dabei tatsächlich um ein eigenständiges Krankheitsbild handelt, vor allem weil
die Marklagerschädigung sehr oft in Kombination mit lakunären Infarkten
auftritt. Diagnosekriterien sind eine Einschränkung der höheren
Hirnleistungen (Demenz), Zwei der folgenden Symptome a) Hochdruck oder
allgemeines Gefäßleiden, b) Chronische vaskuläre Insuffizienz c) Subkortikale
Dysfunktion (Gangstörung, Rigor, Blasenstörung) und eine bilaterale subkortikale
arteriosklerotische Enzephalopathie im CT/MRT ohne kortikale Läsionen.
Bluthochdruck ist einer der wichtigsten
Risikofaktoren für Schlaganfälle, und Gefäßverkalkungen im allgemeinen auch
bereits bei jüngeren Menschen. Der hohe Blutdruck vergrößert allein das Risiko
für den Schlaganfall auf das 4-5 fache. Viele Menschen mit einem hohen Blutdruck
wissen nichts von der Zeitbombe mit der siel leben. Neue Daten belegen erneut
die Wichtigkeit einer Kontrolle des Blutdrucks und die Behandlung des hohen
Blutdrucks. Immer noch zu wenig bekannt ist, dass der Hochdruck meist lange
Jahre keine Beschwerden macht. Bis zu 70% der an Bluthochdruck leidenden
Bevölkerung hat gar keine oder eine nur unzureichende Behandlung. Von einem
optimalen Blutdruckwert spricht man wenn der obere (systolische) Wert unter 120
und der untere (diastolische) Wert unter 80 ist. Als normal gilt der Blutdruck
bei Werten bis 130/85mmHg, von 130–139/ 85–89mmHg spricht man von einem
hochnormalen Blutdruck, darüber erst ist von einem Bluthochdruck oder einer
arteriellen Hypertonie. Auch ein hochnormaler Blutdruck bedarf zumindest
ärztlicher Überwachung. Der hohe Blutdruck scheint auch ein Risiko für die
Alzheimerdemenz zu sein. - was die Unterscheidung zwischen M. Binswanger und M
Alzheimer erheblich erschwert und fließende Übergänge wahrscheinlicher macht.
Bluthochdruck vergrößert das Risiko einer Demenz, dies gilt sowohl für die
Alzheimer Demenz als auch für die Arten der Demenz, die auf
Durchblutungsstörungen zurückgeht. Nach einer großen europäischen Studie
scheint die Behandlung des Bluthochdrucks das Risiko das Risiko an einer Demenz
zu erkranken zu halbieren. Wenn man den Hochdruck von 1000 Patienten für 5 Jahre
behandelt verhindert man nach der Studie 20 Erkrankungen an einer Demenz. Ob
diese Ergebnisse auf alle Behandlungsmöglichkeiten des Bluthochdrucks oder nur
auf die hier untersuchten Kalziumkanalblocker zutreffen ist unklar. Aktuell wird
noch großer Wert auf die Unterscheidung zwischen einer Demenz auf Grundlage
einer Gefäßverkalkung und einer Alzheimerdemenz gelegt. Diese Unterscheidung
scheint nur bedingt so klar zu sein wie bisher angenommen. Neure Studien
weisen allerdings darauf hin, dass alle Risikofaktoren für eine Arteriosklerose
auch Risikofaktoren für die Alzheimererkrankung darstellen. Auch ein erhöhter
Cholesterinspiegel ist nach manchen Untersuchungen ein Risikofaktor für die
Entwicklung einer Alzheimerdemenz zu sein. Unabhängig von dem Risiko an einer
Demenz zu erkranken ist die Behandlung des hohen Blutdrucks immer sinnvoll. Bei
Patienten mittleren Alters wurde festgestellt, dass ein Herabsetzen des
diastolischen Blutdruckwerts um 5 mmHg das Risiko eines Schlaganfalls um 35% bis
40% und das Risiko eines Herzinfarkts um 21% senkt. Typischerweise finden sich stufenweise
progrediente neurologische Symptome, die auf die lakunären Hirninfarkte
zurückgehen. Die Patienten haben meist Symptome der Pyramidenbahen und
pseudobulbäre Zeichen mit Hinweisen auf eine subkortikale Demenz die durch
frontale Defizite charakterisiert ist, (z.B.: Einschränkungen der
Kritikfähigkeit, Enthemmung, kognitive Defizite). Sprachstörungen, Zwangsweinen
und epileptische Anfälle kommen vor. Eine Gangstörung und eine Blasenstörung
treten meist früh im Verlauf auf. Bei der Gangstörung handelt es sich meist um
einen breitbeinig unsicheren tapsigen Gang, häufig als „frontal“ oder „apraktisch“
beschrieben wird, aber nicht das kleinschrittig-rhythmische „shuffling“ des M.
Parkinson imitiert. Dagegen ist die Beweglichkeit der Beine im Sitzen oder
Liegen weitgehend möglich. Der Muskeltonus ist spastisch erhöht, die
Pyramidenbahn also an der Symptomatik beteiligt. Die Betonung an den unteren
Extremitäten entspricht der Lage der Bahnen, wobei die topographische Anordnung
die Bahnen für die Beine am weitesten medial (ventrikelnahe) zeigt. Die
Muskeleigenreflexe sind gesteigert (bei M. Parkinson abgeschwächt bis fehlend)
und die Pyramidenzeichen oft positiv. Charakteristisch ist auch eine Fallneigung
nach hinten. Es besteht häufig eine dysexekutives Syndrom, Verlangsamung,
Antriebsdefizit, Affektlabilität, Persönlichkeitsveränderung, Depression,
Euphorie, Depression, Affektlabilität, Affektinkontinenz, Antriebsminderung,
Dysarthrie, Dysphagie. Die genaue Ursache ist unklar, Veränderungen in der
Gefäßdurchlässigkeit und der Blut-Hirn-Schranke sind die Grundlage. Wann
verursacht ein subkortikaler Hirninfarkt eine Demenz? Hirninfarkte können eine
Demenz auslösen, die als ischämisch-vaskuläre oder Multiinfarkt-Demenz
bezeichnet wird. Unter welchen Bedingungen diese Demenz entsteht, ist noch
relativ unklar und war Gegenstand einer Untersuchung (Arch Neuro1999; 56:
809-814) von 21 Patienten mit subkortikalem Insult. Die Lokalisation der
subkortikalen Infarkte hatte keine prognostische Bedeutung für die
Demenzentwicklung. Die Demenz nach einem subkortikalen Infarkt scheint eher auf
einem globalen zerebralen Hypometabolismus als auf der Anzahl der Infarkte, der
lnfarktlokalisation oder der Aktivitätsminderung im unteren Frontallappen zu
beruhen. Die Demenz spiegelt das Ausmaß der Stoffwechselstörung im zerebralen
Kortex wider, was auch schon bei anderen Demenzformen inklusive Alzheimer Demenz
und Demenz bei Morbus Parkinson gezeigt wurde. Am häufigsten ist ein
Bluthochdruck (75%) die Ursache, auch ein Diabetes m., eine cerebrale autosomal
dominante Arteriopathie mit subkorticalen Infarkten und eine Leukoariosis (CADASIL),
sowie eine Amyloidangiopathie können ursächlich sein. Eine Unterscheidung vom
Normaldruck-Hydrozephalus kann nur mit dem Kernspin oder CCT erfolgen.
|
Differenzialdiagnose
von
Schlaganfall
ähnlichen
Episoden
und
Läsionen
der
weißen
Substanz
im CCT
oder
MRT.
|
Demyelinisierende
Erkrankungen
Multiple
Sklerose
Vitamin
B12
Mangel
konzentrische
Sklerose |
Infektionen
Neuroborreliose
Neurosyphilis
HIV-
Infektion
Progressive
multifokale
Leukoenzephalopathie |
Tumore
Gliome
Lymphome
Metastasen |
Mitochondriale
Myopathie,
Enzephalopathie,
Laktazidose,
und
Schlaganfallähnliche
Episoden
(MELAS)
Migräne
Metachromatische
Leukodystrophie |
Vaskulopathien
Vaskulitis
Medikamenten
induzierte
Vaskulitis
Systemischer
Lupus
erythematodes
Wegener’sche
Granulomatose
Polyarteritis
nodosa
Churg–Strauss
Vaskulitis
Temporalarterien
Arteriitis
Zerebrale
Amyloidangiopathie
Lakunäre
Infarkte |
Vaskulopathien
Takayasu’s
Arteriitis
Susac’
Syndrom
Primäre
Angiitis
des ZNS
Behçet’
Syndrom
Infekt
Vaskulitis
Vaskulitis
bei
Krebserkrankungen
Zerebrale
autosomal
dominante
Arteriopathie
mit
Vsubkorticalen
Infarkten
und
Leukoenzephalopathie
Binswanger’sche
Erkrankung(subkortikale
Leukoenzephalopathie) |
| |
|
kortikale
vs
subkortikale
Demenz |
|
Funktion |
kortikal
|
subkortikal |
|
·
Sprache
|
Aphasie
|
normal |
|
·
Sprechen
|
normal
|
Dysarthrie |
|
·
Gedächtnis
|
Amnesie
|
Vergesslichkeit |
|
|
Speicherstörung
|
Abrufstörung |
|
·
Erkennen
|
Agnosie
|
Verlangsamung |
|
·
Affekt
|
Indifferenz
|
Apathie |
|
|
Enthemmung
|
Depression |
|
·
Motorik |
normal
|
Verlangsamung,
Dysmetrie,
Dyskinesie |
|
|
-
Leitlinien
SAE Subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie (SAE, Mikrovaskuläre
Enzephalopathie),
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PDF
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CADASIL
(Cerebrale autosomal dominante Arteriopathie mit
subkortikalen Infarkten und Leukenzephalopathie) Diese dominant vererbte
Erkrankung der kleinen Gefäße äußert sich mit rezidivierenden Schlaganfällen,
auch Pseudobulbärparalyse und Multiinfarktdemenz. Die Patienten sind meist
jünger und haben im CT oder MRTeine deutliche Hirnatrophie, multiple
subkortikale Infarkte und eine SAE, ohne dass die üblichen Risikofaktoren
vorliegen. Manche werden durch eine Demenz auffällig. Viele jüngere Patienten
haben eine Migräne mit Aura und die genannten CT-IMRT-Veränderungen. In der
Hautbiopsie lassen sich elektronenmikroskopisch typische Veränderungen finden.
Das Gen für diese Krankheit ist identifiziert und wird auf einen Genort auf
Chromosom 19 bezogen. Es gibt vier wesentliche klinische Manifestationen, die
meist nacheinander auftreten. Zunächst Migräne mit oder ohne Aura, Schlaganfälle
und schlaganfallähnliche Episoden, psychiatrische Auffälligkeiten und am Ende
eine Demenz. Bei den meisten Patienten finden sich keine klassischen vaskulären
Risikofaktoren. Die Krankheit verläuft entweder chronisch-progredient oder
verschlechtert sich attackenförmig. Meist liegt der Krankheitsbeginn in dem
Lebenszeitabschnitt zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr, die durchschnittliche
Dauer bis zum Tod beträgt 14 Jahre. Zum Zeitpunkt des Todes besteht meist eine
ausgeprägte Pseudobulbärparalyse und eine subkortikale Demenz. Die
Kernspintomographie zeigt eine diffuse Leukenzephalopathie mit subkortikalen
Infarkten in den Basalganglien und in der weißen Substanz des Marklagers. Die
neuropathologischen Veränderungen erinnern sehr an die Veränderungen wie sie
auch bei der Binswanger'schen Erkrankung gesehen werden. Die Diagnose wird sehr
erleichtert, seitdem auch ähnliche Gefäßveränderungen bei Hautbiopsien gefunden
wurden. Obwohl der Genlokus bekannt ist, ist die genau Pathogenese der
Erkrankung weiter ungeklärt. Eine Therapie existiert im Moment nicht.
Diagnostischen Kriterien für CADASIL sind 1. Alter bei Beginn < 50 Jahre, 2.
mindestens zwei der folgenden klinischen Auffälligkeiten:
- schlaganfallähnliche Episoden mit permanenten neurologischen Ausfällen,
- Migräne,
- psychiatrische Auffälligkeiten,
- Demenz
weitere Kriterien sind das Fehlen vaskulärer
Risikofaktoren, der Nachweis eines autosomal dominanten Erbgangs und die
typischen kernspintomographischen Veränderungen. (Davous P (1998). CADASIL: a
review with proposed diagnostic criteria. Europ J Neurol; 5: 219-233), D. P. Auer, T. Schirmer, J. O. Heidenreich, J.
Herzog, B. Putz, and M. Dichgans, Altered white
and gray matter metabolism in CADASIL: A proton MR spectroscopy and 1H-MRSI
study, Neurology, March 13, 2001; 56(5): 635 - 642.
[Abstract]
[Full Text]
[PDF]
Lakunare
Hirninfarkte Leukoaraiosen, und andere weiße Flecken im Kernspin
Die 3 diagnostischen Entitäten lakunäre Infarkte,
Leukoaraiose, und vaskuläre Demenz überlappen sich. Die Sprachverwirrung
ist auch unter Fachleuten groß. Die so häufig den Patienten genannten
Durchblutungsstörungen des Gehirns sind bisher so unscharf definiert, dass auch
Fachleute ihre Daten kaum mit einander vergleichen können. Für ältere Patienten
resultiert aus der Befundmitteilung oft eine unnötige Verunsicherung.
Vereinfacht könnte man sagen, moderne Technik liefert Bilder, die bisher nur
unzureichend verstanden werden. Sehr oft wird unzureichend zwischen einem
klinischen Zustand und einem Kernspinbefund unterschieden. Letztere
Unterscheidung ist allerdings entscheidend. Griechisch Leuko meint weiß, Araiose
meint Rarefizierung. Weitgehend synonym gebraucht werden folgende Begriffe:
Weiße Substanzhyperintensitäten, deep white-matter hyperintensities" white-matter hyperintensities" Leukoaraiosis, Leukoaraiose, WML, White
Matter Lesions, Periventrikulär gelegene
Hypodensitäten
des Marklagers, "unknown white spots", Hyperintense lesions (HL), age-related
white matter changes (ARWMCs), Subcortical White Matter Lesions. Weitgehend
identisch dazu verwendet werden folgende Begriffe mit ursächlicher Zuordnung,
bzw. symptomatischer Zuordnung: SAE – subkortikale arteriosklerotische
Enzephalopathie, M. Binswanger, Präsenile Demenz, Lower body
Parkinson. Gemeint sind hier jeweils die subkortikal als unterhalb der Hirnrinde
im so genannten Marklager gelegenen weißen Flecken im T2 gewichteten
Kernspintomogramm. Eine Leukoaraiose ist also zunächst ein radiologischer
Befund unklarer Ursache und unklarer Bedeutung. Man sieht dabei meist bilaterale
fleckige diffus verteilte Hirngebiete mit so genannten Hyperintensitäten der
weißen Hirnsubstanz (engl. white matter (WM)) im T2-gewichteten Kernspinbild.
Studien sind mit dem Problem behaftet, dass es eine Vielzahl von verschiedenen
Ratingskalen gibt die diese Leukoaraiosen messen sollen, die Übereinstimmung
zwischen den Skalen und zwischen den Untersuchern ist teilweise sehr gering.
Sicher scheint bei schweren Leukoaraiosen, dass eine verminderte Durchblutung
der weißen Substanz, bei normaler Durchblutung der Hirnrinde vorliegt. Der
Pathologe findet bei Leukoaraiosen nicht immer einen auffälligen Befund und wenn
scheint dieser oft spärlich zu sein. Menschen ohne Zeichen der Schädigung
der weißen Substanz (White-Matter- Läsionen, Leukariosen, White spots...)
in der Rotterdamstudie: 5.4% bei den 45-59-Jahre alten beschwerdefreien
Menschen, 2.0% bei Menschen über 7 Jahre. Mit dem Älterwerden nimmt nicht
nur die Häufigkeit sondern vor allem die Intensität und das Volumen dieser
Schädigungen der weißen Substanz zu. (N Engl J Med 2007;357:1821-8). Das
Volumen wird aber bei Kernspinbefunden selten angegeben, nachvollziehbare
Einteilungen der Schädigungen der weißen Substanz werden bei der Befundung
selten verwendet. Was ein Radiologe oder Neurologe als krank befundet, kann bei
einem anderen noch als altersgemäß gelten. Diese Schädigungen der weißen
Substanz sind ein Marker für eine Schädigung der kleinen Hirngefäße
hauptsächlich durch vaskuläre Risikofaktoren und einen kognitiven Abbau, der
aber in hohem Maße dosisabhängig ist. Manche Untersucher halten das Ausmaß der
Atrophie des Gehirn für den wichtigeren Marker für einen kognitiven Abbau.
Hauptsächlicher Risikofaktor ist der Hochdruck, beim Diabetes sind die Daten
schon weniger eindeutig. (Übersicht Current Opinion in Neurology 2007,
20:390–397)- Unklar bleibt damit ab wann sagt man bei einem Menschen über 45
Jahren, dass er im Kernspin sichtbare Durchblutungsstörungen hat, wenn 94%
seiner Altersgruppe solche DBS haben und keine klare Einteilung benutzt wird.
Eine Leukoaraiose findet sich in
manchen Studien in 100% der alten Menschen die untersucht wurden. (Stroke.
1995;26:1293-1301.). Es gibt verschiedene Einteilungen des Schweregrades der
Leukoaraiosen. Siehe auch die Abbildung mit der Einteilung nach Brand- Zawatzki
1985 oder die Einteilung nach Fazekas (1987) (Am J Neuroradiol 8:421–426)
Tabelle.
A) periventrikulär (PVH oder
white-matter
hyperintensities):
0 – keine Leukoaraiose erkennbar
1 – Kappen oder bleistiftdünne Linien
2 – breiter subependymaler Streifen (Halo)
3 – unregelmäßig begrenztes hyperintenses
Areal mit Ausdehnung in die Tiefe des Marklagers |
B) Tiefe Schädigungen der weißen Substanz (WMH
oder deep white-matter hyperintensities):
0 – keine Leukoaraiose erkennbar
1 – abgegrenzte Herde
2 – beginnende Konfluenz der Herde
3 – ausgedehnte konfluierende Areale von WMH |
Andere Einteilungen siehe: The ARWMC Rating Scale
for MRI and CT
Wahlund, et al Stroke 2001; 32: 1318 - 1322.
[Full Text]
Lakunen sind kleine Hirninfarkte meist im
Stammganlienbereich, im Hirnstamm und im Marklager. Sie werden als kleine,
tiefe Infarkte mit einem maximalen Durchmesser von 2 cm definiert. Meist
ereignen sie sich in den Versorgungsgebieten der Arteriae lenticulostriatae,
welche im Versorgungsgebiet der Arteriae carotis liegen, und den Arteriae
thalamoperforantes und paramediani, welche sich im Versorgungsbereich der
Arteria basilaris befinden. Nach HJ Gertz et al (Nervenarzt 2002; 73:393–404)
sind "Lakunen komplette Infarkte in typischer Lokalisation in Stammganglien,
Capsula interna und tiefer weißer Substanz. Typischerweise treten sie auf als
Folge einer arteriellen Hypertonie mit Hyalinose und Arteriolosklerose. Auch
Mikroembolien
werden als Ursache diskutiert.Von den Lakunen abzugrenzen sind sog. Kriblüren,
bei denen es sich um stark erweiterte perivaskuläre Räume handelt".
Multiple Lakunarinfarkte werden als zwei oder mehrere bilateral gelegene
lakunare Hirninfarkte definiert. Sie entstehen durch die Kombination von
arteriellem Hypertonus, massivem Alkoholmissbrauch (über den daraus
resultierenden Bluthochdruck), Alter und charakteristischen, vaskulären Läsionen
kleiner perforierender Marklagerarterien. ((Stroke.
1999;30:2053-2058.)Herzinfarkte, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern und eine
Arteriosklerose der A. Carotis zeigen keine Korrelation mit lakunären Infarkten.
Sie gelten vielfach als ein Synonym 'hypertensive Mikroangiopathie' oder
allgemein zerebraler Durchblutungsstörungen, eine konsequente Behandlung des
Hochdrucks kann sie vermutlich verhindern. Kleine Embolien oder eine
Gefäßverkalkung bei Diabetes (strittig) können aber ebenso Ursache sein.
Nach einer
neueren Studie
korreliert das
Ausmaß eines
Metabolisches
Syndroms
direkt mit dem
Ausmaß
vorhandener Leukoaraiosen.
(K. Park, et
al., NEUROLOGY
2007;:1–1
published
online ahead) Je nach
Definition gibt es hier Unschärfen und Überlappungen.
|
Unterschiede zwischen
Hirninfarkten und Leukoaraiosen bzw. White Matter Lesions, |
| Infarkte |
Leukoaraiosen bzw. White Matter Lesions, |
|
Hypointens im T1- und protondichten Bild, Hyperintens im T2-gewichteten Bild. Gut abgrenzbar, Rand scharf begrenzt
wenn periphere Läsion Oft einzeln oder wenige, oft Ausbreitung nach
kortikal. Manchmal mit fokaler Erweiterung der Ventrikel und/oder Sulci |
Hyperintens m T2- und
protondichten Bild, im T1-gewichteten Bild keine Veränderungen erkennbar.
Von punktuell bis diffus konfluierend, oft multiple Ausbreitung, begrenzt
auf die weiße Substanz (Mark), Rinde nicht betroffen, Ventrikel und/oder
Sulci nicht verändert. |
|
John O’Brien & Bob Barber,
Neuroimaging in dementia and depression Advances in Psychiatric Treatment
(2000), vol. 6, pp. 109–119 |
Da sich die 3 diagnostischen Entitäten lakunare
Infarkte, Leukoaraiose, und vaskuläre Demenz überlappen schlagen manche Autoren
vor ausgehend von der Klinik den Begriff der subkortikal vaskulären Demenz
zusammenfassend für die "Binswanger' Demenz und den "Status lakunaris zu
verwenden. Möglicherweise spielt die abnorme Durchlässigkeit der
Bluthirnschranke eine Rolle in der Entstehung. Eine entzündliche Reaktion mit
Beeinträchtigung des axonalen Transports ausgelöst durch eine chronische
Ischämie könnte eventuell in der Entstehung eine Rolle spielen.
Stroke. 1997;28:1423-1429 Weiße
Substanzhyperintensitäten (=Leukoaraiosis) korrelieren mit dem Alter
(hauptsächlich) und cerebrovaskulären Risikofaktoren. Neben dem gehäuften
Vorkommen im Rahmen cerebrovaskulärer Erkrankungen haben Patienten mit
Leukariosen auch gehäuft die Risikofaktoren für cerebrovaskuläre Erkrankungen,
sie erkranken auch häufiger an Herzinfarkten und Schlaganfällen. Histologisch
sind menschliche Leukoencephalopathien und hypoxisch/ischämische Schädigungen
der weißen Substanz, wie man sie auch an den Rändern von Infarkten findet,
identisch. Es bestehen strukturelle Veränderungen der kleinen Gefäße besonders
in den Wasserscheidarealen zwischen den verschiedenen Versorgungsgebieten der
Hirngefäße. Dabei findet sich neben einer Arteriolosklerose auch eine
Amyloidangiopathie. Die Patienten haben in der Regel einen gestörten
Blutdrucktagesrhythmus und eine vermehrte Durchlässigkeit der Bluthirnschranke.
Stroke.
1997;28:652-659 Histopathologisch handelt
es sich um eine Gliose, eine Demyelinisierung, und einen Verlust von Axonen. Man
nimmt an, dass degenerative Veränderungen in den kleinen Gefäßen und daraus
resultierende Mangeldurchblutung die zentrale Rolle in der Entstehung der in
Kernspinbildern erkennbaren weißen Substanzhyperintensitäten spielt. Diese
weißen Substanzhyperintensitäten im Marklager findet man häufiger bei lakunären
Infarkten als bei Menschen mit kortikalen Infarkten. Es gibt also einen
Übergangsbereich. Klinisch werden ca. 20 lakunare Syndrome unterschieden;
z.B.: die rein motorische Hemiparese, das rein sensible Hemisyndrom, die
sensomotorische Hemiparese, die ataktische Hemiparese und das Dysarthrie und das
ungeschickte Hand Syndrom. Diagnostische Kriterien für die klinischen Folgen
lakunarer Infarkte gehen allerdings weit auseinander. Ebenso die Kriterien einer
vaskulären Demenz, je nach Definition variiert die Häufigkeit der vaskulären
Demenz um den Faktor 10. Einigkeit wäre dringlich erforderlich. Vor allem bei
klinisch leichteren Syndromen und Zufallsbefunden im Kernspin ist die
Kommunikation und Vergleichbarkeit von Studien kaum möglich. Die Verwirrung wird
dadurch noch größer, dass die Unterscheidung zwischen vaskulärer Demenz und M.
Alzheimer ebenfalls schwierig geworden ist, nach dem deutlich wird, dass
vaskuläre Veränderungen auch beim M. Alzheimer eine wesentliche Rolle spielen.
Es ist unklar, ob es sich bei vaskulären und Alzheimerdemenzen tatsächlich um
verschiedene Erkrankungen handelt, oder ob nicht vaskuläre Veränderungen einfach
bei Alzheimerkranken zusätzliche neurologische Symptome bedingen. Hinzu kommt,
dass in moderneren Theorien des M. Alzheimer die Durchblutung ebenfalls wieder
eine wichtige Rolle spielt. Ob und wie viel eine Leukoaraiosis über die
kognitive Leistungsfähigkeit eines Menschen aussagt, ist weiter unklar. Es
handelt sich um einen Kernspinbefund, dessen Bedeutung nur zum Teil verstanden
wird und der nicht immer parallel zu Symptomen geht. Es gibt kaum einen
Befund in der Neurologie der so kontrovers gesehen wird, wie eine Leukoaraiosis (Stroke. 1995;26:1293-1301.) In einer neuen Studie war ein solcher Effekt
nur bei schlechter Bildung nachweisbar, bei guter Bildung bestand keine
Korrelation. Interessant ist übrigens auch eine Studie, die die Häufigkeit
solcher weißer Flecke bei Schwindelpatienten genauso häufig sind, wie bei
Patienten ohne Schwindel. Die Durchblutungsstörungen sind also keine häufige
Schwindelursache. Bei
Migränepatienten
findet man
die
genannten
weißen
Flecken
deutlich
häufiger
als in der
Durchschnittsbevölkerung,
ob das
erhöhte
Schlaganfallrisiko
von
Migränepatienten
damit
zusammenhängt
ist bisher
aber
unklar. (Swartz,
Arch
Neurol.
2004;61:1366-1368.)
Ebensolches
gilt für
Menschen
mit
erhöhten
Homocysteinespiegeln.
(Sachdev,
Arch
Neurol.
2004;61:1369-1376) Bei über 70 jährigen findet man solche Veränderungen bei
immerhin 49% der nicht dementen Freiwilligen. Im Vergleich zu Gesunden sind sie
etwas verlangsamt, hatten Probleme mit der Aufmerksamkeit, und zeigen
Schwierigkeiten bei den exekutiven Funktionen (Planen und Organisieren). Das
episodische wie auch das Arbeitsgedächtnis waren in dieser Studie nicht
beeinträchtigt. WMHs können sich in spezifischen neurologischen und
neuropsychiatrischen Symptomen manifestieren, sie rufen allerdings selten eine
allgemeine kognitive Beeinträchtigung hervor, letztere tritt eher bei
allgemeiner Hirn- Atrophie auf. (Stroke. 2000;31:2182-2188.)Schwere
Leukoariaiosen sind im Alter generell häufig, bei schweren Depressionen im Alter
sind Leukoariaiosen noch häufiger und sollen Hinweise auf eine schlechtere
Prognose (hinsichtlich Chronifizierung und Rückfallhäufigkeit) geben.
Leukoariaiosen begünstigen eventuell Depressionen im Alter, sie beeinflussen
vermutlich nicht den Verlauf kognitiver Störungen beim M. Alzheimer.
Periventrikuläre Hyperintensitäten korrelieren also am deutlichsten mit dem
Alter, im Gruppenvergleich haben Menschen mit schweren Leukoaraiosen häufiger
eine Demenz als Kontrollgruppen (was nichts für den Einzelfall aussagen muss).
Am deutlichsten korrelieren sie dabei mit einer vaskulären Demenz, bei
Depressionen scheinen sie am deutlichsten frontal ausgeprägt zu sein.
Möglicherweise haben demente Menschen mit Leukoaraiosen im Occipitallappen
seltener Halluzinationen.
R Barber, P Scheltens et al 1999 Urininkontinenz und eine Gangstörung mit
Fallneigung scheint eine häufige Folge einer schwereren Leukaraiose und
gehört auch zu den ersten Symptomen, die eine tatsächliche vaskuläre Demenz
begleiten. Auch bezüglich der Gangstörung ist allerdings nicht gesichert, ob
diese durch die Schädigungen der weißen Substanz ausgelöst wird, oder eher
ein Marker für den auch sonstigen Alterungsprozess des Gehirns ist. Baloh et al ,
Arch Neurol, 2003; 60(6): 835 - 839.
[Abstract]
[Full Text]
[PDF]. Problem ist hier im Einzelfall, ab wann eine
Leukoaraiose als schwer genug zu bezeichnen ist, um vorhandene Symptome zu
erklären. Die Tatsache, dass Symptome vorhanden sind und dass gleichzeitig
sichtbare Veränderungen im Kernspinbild vorhanden sind, bedeutet noch keine
Kausalität. Dennoch eindeutig schwere bildmorphologische Veränderungen zeigen
ein vorzeitiges Altern des Gehirns an und sind mit einer erhöhten Morbidität und
Mortalität für verschiedenste Erkrankungen vergesellschaftet. Am ehesten trifft
dies allerdings zu, wenn Inkontinenz und Gangstörungen vorhanden sind. (NEUROLOGY
2000;54:90–94) Das Vorliegen einer Gangstörung im Alter ist dabei umgekehrt
häufig ein Hinweise auf eine beginnende vaskuläre Demenz, auch wenn noch keine
anderen Symptome vorhanden sind. Es handelt sich also um ein Frühsymptom. (New
Engl.J.Med 347:1761-1768
November 28, 2002) Aktuell ist die Verwirrung in der medizinischen Literatur
bezüglich des Umgangs mit den genannten Kernspinveränderungen noch groß, eine
Vereinheitlichung von Diagnosekriterien steht noch aus. Relevante Autoren mahnen
zur Vorsicht in der Interpretation der Kernspinveränderungen. "Sowohl
periventrikuläre als auch " deep white-matter hyperintensities" korrelieren mit
einem Rückgang der Intelligenz, aber bei gesunden 80 jährigen erklären die
kumulativen Wirkungen dieser Veränderungen nur einen kleinen Teil der
Unterschiede in den kognitiven Fähigkeiten bei den Menschen mit altersbedingten
Unterschieden in den kognitiven Fähigkeiten. Die Interpretation des
Vorhandenseins und der Schwere dieser radiologischen Veränderungen sollte im
diagnostischen Kontext und vorsichtig erfolgen." (Ellen Garde et al Lancet
2000; 356: 628–34). 356: " Der Zusammenhang von Läsionen der weißen
Hirnsubstanz und kognitiven Defiziten ist trotz nicht zu überschauender Zahl von
Publikationen zu dem Thema ein bisher nicht gelöstes diagnostisches Problem.
Gründe dafür sind u. a. nicht optimale bildgebende und/oder testpsychologische
Methoden." "Die Korrelation von kognitiven Leistungen und WML in Beziehung zum
Volumen der weißen Hirnsubstanz erbrachte ein negatives Ergebnis." (F. Hentschel
et al. Nervenarzt 2003 · 74:355–361) "Die Bedeutung subkortikaler
Veränderungen für kognitive Einbußen bleibt also weiterhin unklar". (Nervenarzt
1997 · 68:365–378) "Wichtig ist, dass die Leukoariose kein hinreichender
Grund für die Diagnosestellung einer vaskulären Demenz ist". (HJ Gertz et al
Nervenarzt 2002; 73:393–404). aber nicht.Siehe auch unter
Stumme Hirninfarkte und "
Eine Leukoaraisose muss nicht zwingend mit der Diagnose einer vaskulären Demenz
verknüpft sein. Vielmehr bestehen zum Teil erhebliche Unterschiede zwischen
kognitiven Ausfällen (eher leicht) und bildgebendem Befund (ausgeprägt). Deshalb
muss die Aufklärung über die Leukoaraiose vorsichtig und ohne Verunsicherung des
Patienten erfolgen. (Hamann und Liebtrau 2002, S 235) Die Unterscheidung
zwischen bedeutungslosen Altersveränderungen und klinisch signifikanten
Veränderungen ist im Kernspin nicht möglich. Leukoaraisosen können
verschiedenste Ursachen haben. Neben einem M. Binswanger (SAE) kommen
Kollagenosen wie ein Lupus Erythematodes, eine Pararteriitis nodosa, eine
granulomatöse Angiitis CADASIL, infektiöse Ursachen wie HIV- Demenz, Syphilis,
Progressive Multifocal Leukoencephalopathy (PML), post und parainfketiöse
Leukoencephalopathien, Herpes Zoster und Herpes simplex, Metachromatische
Leukodystrophien, Adrenoleukodystrophien und strahleninduzierte
Hirnsubstanzschäden in Betracht. Rein bildmorphologisch ist auch die
Unterscheidung zu MS-Herden kaum möglich. Problematisch ist die Bewertung der
Leukoariaiose besonders dann, wenn sie ein Zufallsbefund einer
Kernspintomographie in der Ausschlussdiagnostik ist. Alter ist der
Hauptrisikofaktor für eine Leukoaraiose. (Stroke. 1995;26:1293-1301) Die
Signalveränderungen im Kernspin tragen auch nicht eindeutig zur Differenzierung
vaskuläre Demenz versus der häufigeren Alzheimer Demenz bei. " Eine
sichere Differenzierung zwischen vaskulärer Demenz und Alzheimer Demenz im
Einzelfall anhand von Signalveränderungen in der MRT ist somit gegenwärtig
nicht möglich" (Nervenarzt 1997 · 68:365–378) . Die Frage, wann im Alter eine
Kernspintomographie zur Ausschlussdiagnostik sinnvoll ist, ist immer schwierig
zu beantworten. Wenn das Bild und der Befund vorliegt, muss beides bewertet
werden. Bei schweren klinischen Befunden mit schweren bildmorphologischen
Veränderungen ist die Sachlage einfach, bei weniger gravierenden Befunden sollte
auf eine Überinterpretation verzichtet werden, gleichzeitig sollten
Risikofaktoren insbesondere ein Hypertonus ernst genommen werden. Bei Patienten
die unter Depressionen leiden, haben die weißen Flecken in sofern eine
prognostische Bedeutung, als Depressionen bei Betroffenen schwerer verlaufen. (W.D.Taylor;
Arch Gen Psychiatry. 2003;60:1090-1096). Eine
Untersuchung an 40 nicht dementen Schotten Jahrgang 1921 (Scottish Mental Survey
of 1932 (SMS1932), von denen Intelligenztests im Alter von 11 Jahren vorhanden
waren, zeigte, dass in dieser Gruppe, das Ausmaß weißer Flecken im Kernspin vor
allem eine enge Korrelation zur Intelligenz in der Jugend zeigte, letztere
die kognitiven Fähigkeiten im Alter am besten voraussagte, und diese auch
korrelierte zur Effizienz der Informationverarbeitung des Gehirns im Alter. (Deary,
I J, et al., 2006) Fazit:
Radiologische Befunde sind nur im Zusammenhang mit klinischen Befunden
bedeutsam.
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[Abstract]
Die Bedeutung stummer Hirninfarkte ist
im Einzelfall weiter unklar, die Diagnose alleine auf der Grundlage von Bildern
führt zu einer unnötigen Beunruhigung der Betroffenen. Die Diagnose eine
vaskulären Demenz ist weiter klinisch und nicht alleine vom Kernspinbild
bestimmt. Typischerweise wird die Diagnose einer Demenz an der
Gedächtnisminderung mit begleitender Beeinträchtigung von mindestens zwei
kognitiven Bereichen (Orientierung, abstraktes Denken, Urteilsfähigkeit,
Persönlichkeit, Verhalten, Aphasien, Apraxien oder Agnosien) festgemacht. In den
Leitlinien heiß es zurecht: " Es handelt sich um ein klinisches Syndrom mit
erworbenen Beeinträchtigungen der intellektuellen Funktionen, die durch
Hirnschäden auf dem Boden zerebrovaskulärer Erkrankungen ausgelöst werden.
Vaskuläre Demenzen werden nach unterschiedlichen Diagnosesystemen bestimmt und
eingeteilt, wie ICD 10 (Internationale Klassifikation der Erkrankungen 10.
Version, 1992), DMS IV (Diagnostic and statistical manual of mental diseases, 4.
Version, 1994), NINDS-AIREN (National Institute of Neurological Disorders and
Stroke- Asscociation Internationale pour la Recherche et l´Enseignement en
Neurosciences, 1993) oder den ADDTC-Kriterien (State of California Alzheimer`s
Disease Diagnostic and Treatment Centers, 1992). Die früher gebräuchlichen
sogenannten Ischämieskores (z.B. nach Hachinski, Loeb oder Rosen) (Amar &
Wilcock 1996) haben nur noch historischen Charakter. Von einem kanadischen
Konsortium wurde der Versuch unternommen die wesentlichen Punkte der NINDS-AIREN
und der ADDTC zusammenzufassen und in eine neue Skala (C5R Vascular dementia
checklist) zu inkorporieren (Rockwood et al. 1994)." Bei einer akuten
Symptomatik sind T2-gewichtete Kernspinbilder und FLAIR Aufnahmen nicht in der
Lage, den akuten Infarkt von den zuvor bereits vorhandenen stummen Infarkten zu
unterscheiden. Dies gelingt nur in den Diffusions-gewichteten Kernspinaufnahmen.
Sarah E. Vermeer, Peter J. Koudstaal, Matthijs Oudkerk, Albert Hofman, Monique
M.B. Breteler, Prevalence and Risk Factors of Silent Brain Infarcts in the
Population-Based Rotterdam Scan Study Stroke. 2002;33:21-25.S.E. Vermeer, et al
Silent Brain Infarcts and the Risk of Dementia and Cognitive Decline,N Engl J
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Demenz, vaskuläre
Leitlinie der DGN
|
ADDTC-Kriterien der Vaskulären Demenz (State of California Alzheimer`s
Disease Diagnostic and Treatment Centers, 1992). Nach
Demenz, vaskuläre
Leitlinie der DGN |
| Mögliche vaskuläre
Demenz |
Klinisch diagnostiziertes dementielles
Syndrom (quantifizierbar und reproduzierbar durch neuropsychologische
Teste) und mindestens eines der folgenden Kriterien:
- Anamnestisch Hinweise auf einen
einzelnen ischämischen Insult ohne eindeutige zeitliche Beziehung zum
Beginn des dementiellen Syndroms oder:
- M. Binswanger, für den alle der
folgenden Punkte erfüllt sein müssen:
- Früh einsetzende Harninkontinenz ohne
hinreichende urologische Erkrankung oder Gangstörung ohne hinreichende
periphere Erkrankung
- Vaskuläre Risikofaktoren
- Ausgedehnte Veränderungen der weißen
Substanz in der bildgebenden Diagnostik
|
| Wahrscheinliche
vaskuläre Demenz |
- Kriterien, die erfüllt sein müssen:
- Klinisch diagnostiziertes dementielles
Syndrom (quantifizierbar und reproduzierbar durch neuropsychologische
Teste),
- Hinweise auf zwei oder mehr
ischämische Infarkte (Anamnese, neurologische Untersuchung, Bildgebung)
oder Auftreten eines einzelnen Infarktes mit einer eindeutigen
zeitlichen Beziehung zum Auftreten des dementiellen Syndroms
- Hinweis auf mindestens einen Infarkt
außerhalb des Kleinhirns aufgrund von CT oder T1-gewichtetem MRT
- Unterstützung einer wahrscheinlichen
vaskuläre Demenz
- Hinweise für multiple Infarkte in
Hirnregionen, die für das Gedächtnis verantwortlich sind
- Anamnese für transitorisch ischämische
Attacken
- Anamnese für vaskuläre Risikofaktoren
- Erhöhte Hachinski Ischämieskala
- Klinische Hinweise, die möglicherweise
mit einer vaskulären Demenz assoziiert seien könnten, aber nicht
gesichert sind:
- Frühes Auftreten von Gangstörungen und
Harninkontinenz
- Veränderungen periventrikulär und im
Marklager in der T2-gwichteten MRT, die über die Altersnorm
hinausgehen
- Fokale Veränderungen in der
Elektrophysiologie (EEG, evozierte Potentiale) oder funktionellen
Bildgebungen
- Andere klinische Zeichen, die weder
gegen noch für die Diagnose einer wahrscheinlichen vaskulären Demenz
sprechen
- Langsam progrediente Symptome
- Psychosen, Halluzinationen,
Wahnvorstellungen
- Epileptische Anfälle
- Klinische Zeichen, die an der Diagnose
einer wahrscheinlichen vaskulären Demenz zweifeln lassen:
- Transkortikale sensorische Aphasie
ohne Nachweis eines bildmorphologischen Substrates
- Fehlen von weiteren zentral
neurologischen Symptomen als eine kognitive Beeinträchtigung
|
| Sichere vaskuläre
Demenz |
Für diese Diagnosestellung ist eine
histopathologische Untersuchung des Gehirns erforderlich. Folgende
Kriterien müssen erfüllt sein:
- Klinisch diagnostiziertes dementielles
Syndrom
- Histopathologischer Nachweis von
multiplen Infarkten, einige außerhalb des Kleinhirns
- Falls sich histopathologisch Hinweise
auf das Vorliegen einer Alzheimer- oder anderen Erkrankung ergeben, die
für das dementielle Syndrom verantwortlich sein kann, sollte die
Diagnose einer gemischten vaskulären und Alzheimer-Demenz gestellt
werden.
|
| Gemischte Demenz
(Mixed dementia) |
Die Diagnose einer gemischten Demenz
sollte gestellt werden beim Vorliegen einer oder mehrerer systemischer
oder neurologischer Erkrankungen, die vermutlich der Demenz zugrunde
liegen |
|
NINDS-AIREN-Kriterien (Roman
GC, 1993 et al). für wahrscheinliche vaskuläre Demenz |
|
Diagnostizierbare Demenz |
Minderung der Hirnleistung im Vergleich
zur früheren Leistungsfähigkeit im Bereich Gedächtnis oder in zwei anderen
kognitiven Bereichen (Orientierung,Aufmerksamkeit, Sprache, visuospatiale
Funktionen, praktische Fähigkeiten, Kontrolle der Motorik oder der
Ausführung von Handlungen), entsprechende Ergebnisse in
neuropsychologischen Testverfahren, deutlichen Einfluss auf das
Alltagsverhalten. mit statischem, remittierendem oder progredientem
Verlauf. |
| vorhandene
zerebrovaskuläre Erkrankung, |
fokale neurologische Zeichen (z.B. Hemiparese,
Fazialisschwäche, Babinski-Zeichen, sensorische Störungen,
Hemianopsie, Dysarthrie),die auf einen Infarkt hinweisen, unabh. von der
Anamnese, Hinweise auf eine zerebrovaskuläre Erkrankung in CT oder MRT,
multiple Infarkte im Versorgungsgebiet der großen Hirnarterien oder einen
einzelnen Infarkt an strategisch wichtiger Stelle (z.B.Gyrus
angularis,Thalamus, basales Vorderhirn,Gebiete der Arteria cerebri
posterior oder Arteria cerebri anterior) oder mehr als zwei Lakunen im
Bereich der Basalganglien und „white matter lesions" oder ausgeprägte
periventrikuläre Läsionen oder Kombinationen obiger Befunde. |
Eine
Verbindung zwischen zerebrovaskulärer Erkrankung und der Demenz,
nachgewiesen
durch mindestens eine der nachfolgenden Bedingungen:
|
Beginn der Demenz binnen drei Monaten nach
einem wahrgenommenen Infarkt, abrupt einsetzende Störung kognitiver
Funktionen, fluktuierende, schrittweise Verschlechterung kognitiver
Funktionen. Mit dem klinischen Bild vereinbar sind frühe
Gangstörungen, Hinfallen ohne Einwirkung von außen, Blasenstörungen ohne
urologische Ursache,Pseudobulbärstörungen, Persönlichkeits- oder
Gefühlsstörungen und andere subkortikale Defizite. Unwahrscheinlich wird
die Diagnose, wenn frühe Gedächtnis- oder andere kognitive Störungen ohne
korrespondierenden Bildgebungshinweis voranschreiten, bis auf kognitive
Störungen fokale Hinweise fehlen und in CT und MR keine zerebrovaskulären
Hinweise zu finden sind. |
|
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medizinische Diagnosestellung oder Behandlung. Es wird hier
versucht einen Überblick über den derzeitigen Stand der medizinischen
Forschung auch für interessierte Laien zu geben, dies ist nicht
immer aktuell möglich. Es ist auch nicht möglich, dass ein Arzt immer auf
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seines Faches ist. Es ist immer möglich, dass die medizinische
Forschung hier noch als wirksam und ungefährlich dargestellte
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hat. Lesen Sie bei Medikamenten immer den Beipackzettel und fragen Sie bei
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Dies gilt auch für alle anderen Behandlungsverfahren. Die hier angebotenen
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Mitteilung wo dies nicht der Fall ist bin ich dankbar. Fragen Sie hierzu
immer Ihren behandelnden Arzt. Dieser weiß in der Regel über die hier
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und Ihre Beschwerden besser einordnen- was für einen bestimmten Patienten
nützlich ist, kann einem anderen schaden. Selbstverständlich gibt es
zu den meisten Themen unterschiedliche Auffassungen. Soweit möglich wird
hier dargestellt woher die Informationen stammen. In den meisten Fällen
mit einem entsprechenden Link (da diese oft ohne Ankündigung geändert
werden, sind diese leider nicht immer aktuell zu halten).. Leider ist die
zitierte Literatur nicht immer kostenfrei zugänglich. Die Beschränkung auf
kostenfrei zugängliche Literatur würde manches sehr oberflächlich lassen.
In der Regel versuche ich mich in der Darstellung an deutschen oder
internationalen Leitlinien der Fachgesellschaften und Metaanalysen der
Literatur zu orientieren. Auch dies ist nicht überall möglich. Zum einen
gibt es nicht überall solche Leitlinien, zum anderen werden diese mir
nicht immer sofort bekannt. Manche Leitlinien sind lange nicht
aktualisiert worden und von neuerer Literatur überholt, bzw,
ergänzungsbedürftig. Wenn möglich sind im Text Links zu solchen
Leitlinien eingebaut. Auch Leitlinien sind nur Orientierungen, sie
schließen nicht aus, dass generell oder im Einzelfall Fehler enthalten
sind oder diese im Einzelfall nicht anwendbar sind. Ziel der Darstellung
ist hier definitiv nicht, mich als Experten für irgendeines der in der
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dass alle vergleichbaren Fachärzte für Neurologie, Psychotherapeutische
Medizin und Psychiatrie ihre Patienten sorgfältig und genau so gut wie ich
behandeln. Sollten Sie über eine Suchmaschine direkt auf diese Seite
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