Höhenangst und
Höhenschwindel
Die Unterscheidung von beidem ist für die Behandlung
entscheidend.
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Bild modifiziert aus Brandt Th, Vertigo. Its Multisensory
Syndromes. Springer 1.Aufl. 1994 |
- Höhenschwindel ist ein Normalphänomen.
Wenn man sich in größerer Höhe befindet, tritt eine subjektive
Instabilität der Körperhaltung auf, dazu gehört auch ein Angst hinunter
zu fallen, Schweißausbrüche und andere vegetative Symptome wie unter
Angststörungen besprochen werden.
- Höhenschwindel nimmt bei Gewöhnung oder
Training ab. Allerdings nicht unbegrenzt und abhängig von der
biologischen Disposition. Nicht jeder kann Dachdecker werden.
- Höhenschwindel hat eine nachvollziehbare
biologische Grundlage. Es handelt sich um einen
Entfernungsschwindel. Dieser entsteht durch eine Destabilisierung der
Körperhaltung wenn die Entfernung zwischen den Augen und dem nächsten
sichtbaren festen Objekt zu groß wird. Um das Objekt scharf mit beiden
Augen sehen zu können, muss der Kopf schwanken. Dies tut er dann auch
automatisch. Auch für die normale Aufrechterhaltung des Gleichgewichts
schwanken wir etwas. Dies muss bei fehlenden festen Objekten in der
nahen Umgebung gesteigert werden. Über Lagereflexe schwankt der Körper
dann auch etwas mit. Die Stabilisierung der Lage erfolgt über die
Peripherie der Netzhaut des Auges. Also nicht über die zentrale
Netzhaut, mit der Gegenstände erkannt oder verfolgt werden.
- Zusätzlich gibt es ein angeborenes
"Klippen-Phänomen". Ohne negative Erfahrungen meiden
Kleinkinder wie viele Tiere große Tiefen. Dies auch ohne, dass sie zuvor
schlechte Erfahrungen damit gemacht haben.
- Höhenschwindel stellt auch eine normale
Warnfunktion des Körpers dar. Durch das physiologische
Schwanken besteht tatsächlich eine etwas erhöhte Sturzgefahr.
Überwiegend kann diese durch kompensatorische Mechanismen (des
Gleichgewichtsorgans, und der propriozeptorischen Nerven) ausgeglichen
werden. Wenn schlechtes Schuhwerk getragen wird, eine Schädigung
peripherer Nerven durch eine Polyneuropathie
vorliegt, oder andere Schädigungen des Gleichgewichtsinnes bekannt sind,
sollte man deshalb in solche Situationen vorsichtig sein und die Warnung
des Körpers auch ernst nehmen.
- Normaler Höhenschwindel muss von
eigentlicher Höhenangst unterschieden werden. Höhenangst
entsteht aus normalem Höhenschwindel. Die Angst vor einem
Kontrollverlust spielt dabei eine wesentliche Rolle. Kurze Gedanken wie
"ich könnte fallen" aber auch " ich könnte die Kontrolle über mich
verlieren und hinunterspringen" sind noch ein Normalphänomen, solange
sie nach einem kurzen Schritt zurück, korrigiert werden können. Erst
wenn sie einen übertriebenen Stellenwert bekommen und wirkliche Angst
vor einem Kontrollverlust mit dazugehöriger Angst vor der Angst dazu
kommen sollte man von Höhenangst sprechen.
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Umgang mit dem normalen Höhenschwindel:
- Vermeiden Sie in großer Höhe in gefährlichen
Situationen frei zu stehen ohne sich festzuhalten.
- Wenn Sie hinunter sehen, achten Sie darauf, dass
sich nahe feststehende kontrastreiche Gegenstände in Ihrem seitlichen
Blickfeld befinden. Die Stabilisierung der Lage erfolgt über die
Peripherie der Netzhaut des Auges. Also nicht über die zentrale Netzhaut, mit
der Gegenstände erkannt oder verfolgt werden.
- Der Höhenschwindel entsteht erst nach Sekunden,
ein kurzer Blick beeinträchtigt deshalb weniger.
- Das Beobachten sich bewegender Objekte wie Wolken
erhöht den Schwindel. Durch eine Fernglas sehen verschlimmert den Schwindel
und die Gefahren erheblich.
- Achten Sie darauf, dass Ihre Füße möglichst
horizontal auf dem Boden stehen. Vermeiden Sie extreme Kopfpositionen um den
Sinnesorganen die Arbeit nicht zu erschweren
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Höhenangst:
Angstauslöser sind Situationen wie der Aufenthalt, auf einer Leiter, auf
einer Brücke, auf einem Turm, einem Hochhaus, einem Balkon, oder an
einem steilen Abhang. Manche Menschen verspüren Höhenangst nur dann,
wenn Sie sich im Freien aufhalten, z.B. auf einer Aussichtsplattform.
Stehen Sie dagegen hinter einer Glasscheibe im Inneren eines Hochhauses,
kommt es zu keiner Angstreaktion. Die Angst vor und in Höhen war eine der
Phobien, bei denen sich Verhaltenstherapie in kontrollierten
Therapiestudien erfolgreich gezeigt hat. Methode der Wahl ist das
angeleitete Erfolgslernen (guided mastery), das auch als teilnehmendes
Modellernen bezeichnet wird. Dabei wird der Patient dazu angehalten, die
allerschwierigsten Situationen so schnell wie möglich anzugehen. Wenn er
dabei Schwierigkeiten hat, gibt ihm der Therapeut dabei Hilfen. Man kann
es mit entsprechender Vorinformation unter Beachtung einiger Regeln auch
einfach selbst versuchen. (Bild aus dem Hitchcock- Film) |
Umgang mit Höhenangst (auch Bathophobie oder
Acrophobie):
- Wenn schon das Besteigen eines Stuhles Probleme
bereitet und Sie Schwierigkeiten haben eine Brücke zu überqueren, handelt es
sich nicht mehr um einen normalen
Höhenschwindel, dabei tritt die Angst ebenfalls sich beim Blick in die Tiefe
auf, man weiß dabei aber, dass die Angst unbegründet ist, dennoch befürchtet
man die Kontrolle über sich zu verlieren und abzustürzen.
- Wenn Höhenangst einen übertriebenen Stellenwert
bekommt und wirkliche Angst vor einem Kontrollverlust mit dazugehöriger Angst
vor der Angst dazu kommen, sollte man Höhenangst auch behandeln. Dies gilt
auch wenn durch die Höhenangst Ihre Bewegungsfreiheit im Alltag eingeschränkt
ist.
- Die Suche nach Problemen und Konflikten als
Auslöser beseitigt Höhenangst nicht.
- Sie können zunächst selbst einen Versuch
unternehmen, durch Training der Angst entgegen zu wirken.
- Wenn Ihre Angst besonders schlimm ist, nehmen Sie
dazu bei den ersten Versuchen eine Person Ihres Vertrauens mit. Sie sollten
später aber auch alleine üben.
- Beachten Sie bei den Übungen die Hinweise zum
Höhenschwindel. Seien Sie sich bewusst, dass dieser normale Höhenschwindel
bleiben wird und unterscheiden Sie zwischen beiden Phänomenen.
- Wenn Sie üben über eine Brücke zu gehen, beachten
Sie besonders am Anfang den Hinweis darauf zu achten, dass sich nahe
feststehende kontrastreiche Gegenstände in Ihrem seitlichen Blickfeld
befinden. Beispielsweise das Brückengeländer, ein Pfeiler, der Boden.
- Wenn möglich bleiben Sie von Anfang an so lange
auf der Brücke bis die Angst auf der Brücke nachlässt. Das strengt an, führt
aber am schnellsten zum Erfolg.
- Bringen Sie sich in großer Höhe nicht in
tatsächliche Gefahr. Unterscheiden Sie zwischen übertriebener und realer
Angst. Angst an sich ist nicht gefährlich, bei einem gesunden Menschen
hinterlässt sie nur eine kurze Erschöpfung wie nach körperlicher Arbeit.
- Je häufiger sie hintereinander üben (möglichst
täglich), umso schneller, sicherer und mit umso geringerem Aufwand haben Sie
Erfolg.
- Wenn Ihre Angst beim Üben zwischen den Übungen
größer wird machen Sie etwas falsch, sie sollten sich dann für die Übungen
therapeutische Hilfe suchen. Sie sollten sich dafür einen
Verhaltenstherapeuten suchen, der Konfrontationstraining macht, und möglichst
auch bereit ist mit Ihnen an Ort und Stelle zu üben.
- Wie bei jeder Störung gilt, dass körperliche
Erkrankungen wie eine Polyneuropathie,
andere organische Schwindelursachen usw. bekannt
sein sollten bzw. untersucht sein sollten. Das Vorliegen solcher
Krankheiten muss manchmal bei der Behandlung berücksichtigt werden, es ändert
die Behandlung aber nicht grundsätzlich.
- Aus der Darstellung des
normalen Höhenschwindels haben Sie gelernt, dass es
immer Übergänge zwischen sinnvollen gesunden Reaktionen und gesunder Angst zu
beeinträchtigender Angst oder zu Phobien gibt. Diese Sichtweise hilft
bei der Akzeptanz des Problems die wichtige Grundlage der Behandlung ist.
Wenn es alleine
nicht funktioniert kann der Therapeut unterschiedlich vorgehen:
Der schnellste Weg ist
die allerschwierigsten Situationen sofort anzugehen. Ausreichender Erfolg
tritt hier meist bereits nach 2 Doppelstunden ein. Wichtig ist von Anfang an so
lange in der Situation zu bleiben, bis die Angst auch in der Situation
nachlässt. Man kann die
Konfrontation aber auch langsam steigern: z.B.: üben noch weit entfernt vom
Brücken- Geländer hinuntersehen und sich dann langsam dem Geländer nähern.
Wir erinnern uns, dass je mehr wir in der Peripherie sehen umso weniger ist der
normale Höhenschwindel vorhanden. Wichtig ist dabei, dass nachvollziehbare
Erfolgskriterien für jede Sitzung vereinbart werden. Die Dauer von 50 min pro
Sitzung ist meist zu kurz, 90- 100 min sind sinnvoller. Bei schwierigen Fällen
müssen zunächst Zwischenziele
definiert werden. Die Zeit der Konfrontationsdauer muss manchmal langsam
gesteigert werden. Manchmal ist am Beginn erforderlich, den Patienten am
Arm zu führen. Der Therapeut muss die Übung manchmal vormachen. Dies nennt man
Modellernen. Sinnvoll ist an
verschiedenen Höhensituationen zu üben. Der Erfolg stellt sich meist nach
wenigen Sitzungen ein und ist in der Regel anhaltend. Bedingung ist immer, dass
der Patient in der ersten Zeit nach erfolgreicher Behandlung weiter regelmäßig
die vormals gefürchtete Situation aufsucht. Man kann also aus einem
Patienten mit Höhenangst nicht unbedingt einen Dachdecker machen, problemloses
über Brücken gehen und auf Wegen an Abhängen zu gehen kann man aber lernen.
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