
Kopfschmerzen Seite 15
Atypischer Gesichtsschmerz oder auch chronischer
Gesichtsschmerz genannt
Der Ausdruck „atyischer Gesichtsschmerz" wurde ursprünglich in
geschaffen, um die Trigeminus- Neuralgie von anderen Schmerzsyndromen im Gesicht
abzugrenzen. Die IHS definiert den ihn als anhaltenden Gesichtsschmerz ohne
organische Ursachen.
Die meisten Patienten kommen erst zum Neurologen nach dem sie sich einer
Vielzahl erfolgloser und die Symptome meist verschlimmernder Eingriffe wie
gesunde Zähne ziehen, Wurzelbehandlungen, unnötige Nebenhöhlenoperationen,
Kiefergelenksoperationen unterzogen haben. Nicht selten sind dabei Sekundärschäden
verursacht worden. Je häufiger solche Eingriffe in der unmittelbaren
Vorgeschichte durchgeführt wurden, umso einfacher oft die Diagnose, umso
schwieriger aber auch die Behandlung.
Die Symptome:
Es handelt sich meist um einen dumpfen Schmerz im Gesicht, der mehr als 6
Monate andauert, immer wieder von heftigen Episoden gekennzeichnet ist. Er
unterscheidet sich von der temporomandibulären Dysfunktion und von
Mundbrennen durch die Lokalisation der Schmerzen und die langanhaltende
Symptomatik sowie die Schmerzcharakteristik. Er tritt täglich auf, hält mehr oder weniger den ganzen
Tag an und kann sich von einem bestimmten Gesichtsareal auf benachbarte Bereiche
oder sogar zum Nacken hin ausbreiten. Die Schmerzlokalisation entspricht nie dem
Versorgungsbereich eines sensiblen Gesichtsnerven. Der Schmerz kann einseitig,
beidseitig und seitenwechselnd auftreten. In über 90% der Fälle handelt es
sich um einen Dauerschmerz wechselnder Intensität. Die Schmerzqualität wird
als brennend, stechend, drückend oder pulsierend angegeben. Triggerfaktoren
sind die Ausnahme. Neurologische Ausfallserscheinungen, insbesondere sensible
Defizite, und andere körperlichen Symptome fehlen. Gelegentlich schildern die
Patienten Dys- oder Parästhesien. Die sog. „atypische Odontalgie" und
die „Glossodynie" sind Varianten des atypischen Gesichtsschmerzes. Daten
zur Häufigkeit und zum Spontanverlauf sind nicht bekannt. In 90%
sind Frauen betroffen. Symptomfreie Phasen können auftreten und Monate
anhalten. Ursachen sind nicht bekannt. In mehr als 2/3 der Fälle wird
der atypische Gesichtsschmerz von einer depressiven Verstimmung begleitet, auch
eine Somatisierungstendenz ist häufig erkennbar.
Die Diagnose ist auch bei typischen Beschwerden eine
Ausschlussdiagnose
Intrakraniell gelegene Tumoren des N. trigeminus oder seines Ganglions, des
Kleinhirnbrückenwinkels, der Schädelbasis, der Orbita und des Nasopharynx
sowie Infektionen im Bereich der Nebenhöhlen und Kiefer oder als Folge von
Zahnextraktionen können damit verwechselt werden. Die Diagnose ist immer
eine Ausschlussdiagnose und erfordert differentialdiagnostisch den Einsatz
apparativer, insbesondere bildgebender Untersuchungsmethoden (immer NMR). Manche Autoren sehen ihn als
eine Variante des Spannungskopfschmerzes, andere diskutieren pathogenetisch eine
Dysfunktion im zentralen antinozizeptiven System.
Die Behandlung
Die Wechselwirkung organischer und psychologischer Faktoren im
Somatisierungsprozess macht die Behandlung schwierig. Bereits der Hinweis des
Arztes, dass es sich nicht um eine gefährliche Erkrankung handelt, kann
hilfreich sein. Eine durchweg erfolgversprechende Therapie steht nicht zur
Verfügung. Verhaltenstherapeutische Strategien erweisen sich als relativ
effizient. Die positive Wirkung von trizyklischen Antidepressiva (am
besten untersucht ist Amitryptilin aber auch Fluoxetin gilt als wirksam) als Monotherapie oder flankierend
zur Verhaltenstherapie beruhen nicht nur auf deren antidepressiven Effekten
sondern auch auf eigenen zentral- schmerzlindernden Eigenschaften.
Nicht wirksam und kontraindiziert
Schmerzmittel sollten nicht verordnet werden, weil sie meist ineffektiv sind
und einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz verursachen können. Operative
Maßnahmen, insbesondere auch wieder Zahnextraktionen und Wurzelbehandlungen
sind kontraindiziert. Infrarotbestrahlung, Neuraltherapie, autogenes Training,
Akupunktur, Physiotherapie, analytische Psychotherapie und Hypnose,
chiropraktische Manöver und Hydrotherapie bringen nicht mehr als Plazeboeffekte.
Literatur:
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- A.A. Elrasheed, H.V. Worthington, S.
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- G Madland and C Feinmann, NOSOLOGICAL ENTITIES?: Chronic facial pain: a
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[Full text]
- E. Agostoni R. Frigerio and P. Santoro
Atypical facial pain: clinical considerations and differential diagnosis
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The Internet Journal of Otorhinolaryngology TM ISSN: 1528-8420
- Urs Pató, Matthias Sturzenegger
Gesichtsschmerzen,
Schweiz Med Forum 2008;8(18–19):336–340
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