| Neues zum Thema Wenn erstmals Sehverschlechterungen,
Sprachstörungen (undeutliche Sprache), Gangunsicherheit,
Zittern, Schmerzen unterschiedlicher Lokalisation, rasche
Ermüdbarkeit, Schwindel, Doppeltsehen, Schwäche oder Lähmungserscheinungen
in Arm(en) und/oder Bein(en), Gefühlsstörungen unterschiedlicher
Verteilung, Entleerungsstörungen der Blase und des Darmes auftreten kann
es sich auch um die ersten Symptome einer MS handeln. Die meisten
Menschen die eines oder mehrere der genannten Symptome haben, haben
keine MS. Solche Symptome sind aber immer ein Grund einen Neurologen
aufzusuchen. Dies auch und besonders um andere Krankheiten
auszuschließen. Besonders wenn tatsächlich ein krankhafter neurologischer
Befund vorliegt und sich diese Symptome langsam über die nächsten Wochen
und Monate zurückbilden, wird daran gedacht ob es sich um ein erstes
Anzeichen einer MS gehandelt hat. Die derzeitige medizinische
Definition setzt für die Diagnose einer MS einen 2. Schub der Erkrankung
voraus. Davor wird nur von einer wahrscheinlichen MS gesprochen.
Neuere Forschungsergebnisse lassen es wahrscheinlicher erscheinen, daß
sehr frühzeitige immunmodulatorische Behandlungen, zumindest zukünftig,
den Krankheitsprozess aufhalten können. Zugelassen sind solche
Behandlungen bisher in Deutschland wie im überwiegenden Europa und den USA
aber erst ab dem 2. Schub der Erkankung. Besonders interessant ist deshalb
die Frage bei wie vielen Patienten sich aus einem ersten Schub eine MS
nach den derzeitigen Kriterien entwickelt. Eine neue israelische
Untersuchung ist dieser Frage nachgegangen. 1
172 Patienten die zwischen 1991 und 1997, erste Symptome und einen
positiven NMR- Befund hatten und damit als Patienten mit
wahrscheinlicher MS diagnostiziert wurden wurden in die Studie
aufgenommen. 163 konnten im Verlauf beobachtet werden. 57.6% hatten
innerhalb des ersten Jahres einen 2 Schub der Erkankung 79.7% (130)
innerhalb von 3 Jahren, und damit auch die definitive Diagnose einer MS.
Der Schweregrad der Behinderung und das Betroffensein mehrerer
funktioneller Systeme des Zentralnervensystems zeigte eine höhere
Wahrscheinlichkeit der Entwicklung einer MS an. Wie von anderen
Untersuchungen her zu erwarten, hatten Patienten mit dem Erstsymptom einer
alleinigen Sehnervenentzündung eine wesentlich bessere Prognose. 40.7%
von diesen Patienten entwickelten im Gegensatz zu etwa 22% aus den
anderen Gruppen keine weiteren Symptome, so daß die Diagnose MS im
Beobachtungszeitraum bei diesen Patienten nicht gestellt werden konnte.
Eine Kortisonbehandlung des ersten Schubes hatte keinen Effekt auf den
weiteren Verlauf. Ein Ergebnis, das im Widerspruch zu manchen anderen
Untersuchungen und Empfehlungen der letzten Jahre steht.1,2,
Weitgehende Einigkeit besteht inzwischen dahingehend, daß
sowohl die klinischen Befunde, als auch die häufig wesentlich gößeren
Schaden anzeigenden NMR- Befunde, nur die Spitze eines Eisberges bezüglich
des tatsächlich vorhandenen Krankheitsprozesses im Zentralnervensystem
anzeigen. Diese wie andere neuere Untersuchungen werden mit hoher
Wahrscheinlichkeit dazu führen, daß die Fachgesellschaften über kurz oder
lang die Diagnosekriterien einer MS ändern werden. 4
Die Autoren empfehlen, daß eine immunmodulatorische Behandlung sofort
nach dem erstem Schub, also bereits vor der endgültigen Diagnose einer MS
eingeleitet werden sollte um die Entwicklung einer MS zu verhindern.
Allerdings müßte dies erst durch Studien untermauert werden.
Diese Untersuchung macht vor dem Hintergrund der aktuellen
Behandlungsmöglichkeiten noch einmal deutlich, daß eine immer noch häufig
praktizierte Art der Patientenaufklärung, bei der die Diagnose nicht
ausgesprochen wird, und den Patienten eine sinnvolle Aufklärung
vorenthalten wird, um sie nicht zu beunruhigen, nicht mehr zu
rechtfertigen ist.
- European Charcot Foundation Working Group for Treatment
Trials.Guidelines for early treatment trials in patients presenting with
clinical and paraclinical abnormalities which put them at high risk for
conversion to multiple sclerosis. Mult Scler.1995;1(suppl
1):S55-S59.
- Optic Neuritis Study Group.The 5-year risk of MS after optic
neuritis: experience of the Optic Neuritis Treatment Trial.Neurology.1997;49:1404-1413.
-
Multiple Sclerosis--From Probable to Definite Diagnosis: A 7-Year
Prospective Study Anat Achiron, MD, PhD; Yoram Barak,
MD Arch Neurol. Juli 2000;57:974-979
-
To Treat, or Not to Treat: The Therapeutic Dilemma of Idiopathic
Monosymptomatic Demyelinating Syndromes Elliot M.
Frohman, MD, PhD; Michael Racke, MD; Stanley van den Noort, MD
Arch Neurol. Juli 2000;57:
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