Rückenschmerz Seite 11
Psychosoziale Faktoren spielen für die Chronifizierung eine erhebliche Rolle: Auch hier ein Zitat aus: Kapitel 5.11 Dorsopathien (Teil 1) [Gesundheitsbericht für Deutschland 1998 "Psychosoziale Risikofaktoren Hinter Rückenschmerzen werden gelegentlich auch spezifische seelische Konflikte vermutet. Engere systematische Beziehungen lassen sich zwischen psychosozialen Belastungen wie subjektivem Streß, seelischen Gleichgewichtsstörungen, Depressivität, geringer subjektiver Gesundheit und Rückenschmerzen finden. Solche Faktoren zeigen ebenfalls eine ungleiche soziale Verteilung.
Schließlich trägt womöglich das, was als therapeutische oder präventive Lösung des Problems gedacht ist, zu seiner Verschärfung bei. Jedenfalls sind die heute bei Rückenschmerzen favorisierten Vorbeugungs- und Behandlungsmaßnahmen in ihrer Wirksamkeit kaum gesichert. Dies gilt für Kräftigungs- und Fitneßprogramme, ambulant durchgeführte Rückenschulen und ähnliche Interventionen im Bereich der Prävention sowie für Krankengymnastik und längere Bettruhe im Bereich der Therapie. Mangelnde soziale Unterstützung wird oft als Risikofaktor für die Entstehung lumbaler Rückenschmerzen identifiziert (e.g., Bongers et al., 1993). Andererseits kann soziale Unterstützung auch chronifiziertes Krankheitsverhalten begünstigen (vgl. Fordyce, 1988). So hatten sich in einer prospektiven Längsschnittstudie mit 46 Wirbelsäulenoperierten und einer im Hinblick auf Alter, Geschlecht und ergonomische Arbeitsbelastung gematchten Kontrollgruppe in hierachischen Regressionen in beiden Gruppen signifikant positive Beziehungen zwischen sozialer Unterstützung vom besten Kollegen bzw. Partner und verschiedenen Kriteriumsvariablen ergeben. (Schade et al., 1999; Boos et al., in press). Wenig berücksichtigt sind in diesem Zusammenhang Konstellationen von sozialer Unterstützung. So könnte die Unterstützung durch nahestehende Personen einen Mangel an Sozialer Unterstützung durch die Vorgesetzten kompensieren und dabei krankheitsfördernde Aspekte (z.B. sek. Krankheitsgewinn, Vermeidung, Schonung) beinhalten. Die Hypothese einer solchen Risikokonfiguration wurde mittels prädiktiver Konfigurationsfrequenzanalysen geprüft und konnte für beide Gruppen bestätigt werden, und zwar für affektive und sensorische Schmerzkomponenten, Behinderungen sowie verhaltensnaher Kriteriumsvariablen wie der Inanspruchnahne medizinischer Versorgung bei der Kontrollgruppe und der Notwendigkeit von Folgeoperationen bei den Patienten. Darüber hinaus war der Risikotyp mit weiteren Merkmalen der Arbeit wie häufiges Heben, repetitiven Arbeitsvorgängen und Monotonie assoziiert, die ihrerseits als Risikofaktoren muskuloskeletärer Störungen gelten. Der Riskotyp zeigte hingegen keine Assoziationen zur Morphologie der Wirbelsäule, die in beiden Gruppen über MRI erfaßt wurde.
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