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Seite 10
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Die Einteilung der Psychopharmaka erfolgt in folgende
Hauptgruppen:
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1. Tranquilizer können
abhängig machen |
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2. Hypnotika können
abhängig machen |
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3. Antidepressiva können
nicht abhängig machen |

Gesonderte Seite:
Sexualität und Schwangerschaft bei
Frauen die an einer einer Schizophrenie leiden
Das Nebenwirkungsprofil der Neuroleptika alleine
genügt nicht als Auswahlkriterium - der Preis alleine kann
allerdings nach dem Sozialgesetzbuch auch nicht das
Auswahlkriterium sein. Der Gesetzgeber lässt Ärzte und
Patienten in einem widersprüchlichen Paragraphendschungel
allein.
Der Nutzen der Antipsychotika in der Vorbeugung ist
unstrittig. Ob neuere Atypika gegenüber den alten
Antipsychotika einen Fortschritt darstellen und wie groß
die Unterschiede in der Verträglichkeit sind, ist aufgrund
der Studienlage immer noch strittig.

Kosten sind ein wichtiges Argument geworden. Schizophrenie ist
im Vergleich zu anderen Erkrankungen teuer, 1998 werden als
direkte Behandlungskosten der Schizophrenie durchschnittlich
umgerechnet 14 204 Euro/Patient und Jahr angegeben, beim
Schlaganfall sind es 11 415 Euro und beim Diabetiker vom Typ 2
durchschnittlich 3576 Euro. Beim ambulant tätigen Psychiater
kostete der Patient damals 2 959 Euro, in der
Institutsambulanz 3 588 Euro, im betreuten Wohnen: 21 738 Euro,
in der Langzeitpflege 22 725 Euro, im stationärer
Behandlung/Aufenthalt im Fachkrankenhaus 33 061 Euro, in der
Rehabilitation: 40 901 Euro Durchschnittskosten.
Clade,
August 2003, Alleine in den USA wurden 2005
$11,7 Milliarden Dollar für atypische Antispsychotika
ausgegeben,- es handelt sich bei damit um einen enormen Markt. (Clin
Psychiatr News 2007; 35:1) Vor Einführung
der Neuroleptika verbrachten schizophrene Patienten Jahrzehnte
und manchmal ihr ganzes Leben in der Klinik, die Behandlungen
ähnelten oft Foltermethoden. Welches Antipsychotikum ein
Patient verordnet bekommt wird wesentlich davon bestimmt, wie die
Präferenzen des Behandlers sind. Nach einer neueren
Untersuchung verordnen ältere Fachärzte häufiger
ältere Antipsychotika und jüngere Fachärzte
häufiger Atypika. Die Patientenvariablen hatten einen
geringen Einfluss auf die Verordnung. J.Hamann, et
al Am J Psychiatry 2004 161: 1301-1304. [Abstract]
Ein Problem der Vergleichbarkeit der atypischen
Neuroleptika ist, dass Haloperidol, das als Vergleichsmedikament
in den meisten der neueren Studien eingesetzt wurde, in einigen
Untersuchungen in einer aus heutiger Sicht vergleichsweise hohen
Dosis (z. B. 20 mg/Tag) verabreicht wurde, die allerdings bei
Planung der Studien durchaus klinischer Praxis entsprach,
Haloperidol gehört darüber hinaus zu den klassischen
Neuroleptika mit dem höchsten Risiko extrapyramidaler NW.
Damit wird möglicherweise das Nebenwirkungsrisiko
konventioneller Neuroleptika im
Vergleich zu den Atypika
überschätzt. Übersichten der Cochrane Library
bemängeln überwiegend die mangelnde Studienqualitäten
und die zu kurzen Studiendauern, die zu insgesamt wenig
nachweisbaren signifikanten Unterschieden nach Studienlage
führen. (Was ganz im Gegensatz zum allgemeinen klinischen
Eindruck der überwiegenden Zahl der Nervenärzte und
Psychiater steht). Seitens der kassenärztlichen
Vereinigungen ist dieser Datenmangel zum Argument gegen den
Einsatz neuer teurerer Medikamente geworden. Allerdings ist
unzweifelhaft , dass die Einführung atypischer Neuroleptika
wie Clozapin, Risperidon, Olanzapin, Quetiapin, Ziprasidon usw.
hat die Behandlung der schizophrenen Psychosen erheblich
erleichtert. EPS sind die Grundlage der Stigmatisierung
psychiatrischer Patienten und der entscheidende Grund von
Non-Compliance und damit von Rehospitalisierungen.
C.Normann In den viel kritisierten
Arzneimittel-Richtlinien der Kassenärztliche
Bundesvereinigung heißt es der Einsatz von Atypika
ist am ehesten dann gerechtfertigt, wenn eine starke individuelle
Disposition (beispielsweise EPS in der Vorgeschichte) für
die Nebenwirkungen der typischen Neuroleptika vorliegt, eine
ausgeprägte Negativsymptomatik oder eine Therapieresistenz
gegenüber den typischen Antipsychotika besteht. Auch eine
absehbar langfristige, kontinuierlich mittel- bis hochpotent
erforderliche neuroleptische Therapie spricht für den
Einsatz atypischer Neuroleptika, dies trifft auch für
Erstmanifestationen einer schizophrenen Psychose zu. Atypika
sind meist mindestens genauso wirksam in der Behandlung so
genannter Positivsymptome wie die klassischen Neuroleptika,
allerdings dauert es unter Atypika manchmal länger bis eine
Besserung akuter Symptome eintritt. (Manchmal wird deshalb
am Anfang der Behandlung zeitweise kombiniert) Nach Studienlage
ist es wahrscheinlich so, dass Atypika auf so genannte
Negativsymptome einen günstigeren Einfluss nehmen als
klassischen Neuroleptika, auch scheinen sie kognitive Symptome
eher zu verbessern. Die Nachteile von Atypika sollten allerdings
nicht unterschätzt werden. Viele verursachen erhebliche
Gewichtszunahmen und können eine Fettstoffwechselstörung
und einen Diabetes begünstigen. Dem kann durch mehr Bewegung
und eine ausgewogenen Ernährung gegengesteuert werden.
Allerdings sind viele Patienten am Beginn einer Behandlung
psychisch in einem so schlechten Zustand, dass die Motivation zu
Bewegung und Ernährungsumstellung oft nicht herzustellen
ist. Eine Gewichtzunahme rückgängig zu machen ist immer
schwieriger als eine solche von vorneherein zu verhindern.
Atypika kosten etwa 10-50x mehr als konventionelle Neuroleptika.
Die Nebenwirkung der stigmatisierenden Bewegungsstörungen
schadet der Compliance bei den alten "typischen"
Neuroleptika, letzteres begünstigt eine Chronifizierung und
damit soziales Elend und sicher auch wesentliche Folgekosten.
Nach den Daten der Cochrane
Schizophrenia Group sind fast alle antipsychotischen
Behandlungen bemerkenswert schlecht untersucht. Eine Tatsache,
die allerdings auch für viele andere medizinischen
Behandlungen jeden Fachgebietes zutrifft. Nicht ganz zu Unrecht
wurde immer wieder die Semantik der Schlussfolgerungen der
Cochrane Gruppe diskutiert. Die Schwierigkeit dabei ist, dass die
Tatsache, dass eine Metaanlyse keinen Effekt nachweisen oder
darstellen kann, nicht unterscheidet, ob kein Effekt (oder
Unterschied zwischen Behandlungen) vorhanden ist, oder eben ein
solcher einfach in der Metaanalyse nicht darstellbar war. BMJ
2003;326:475 ( 1 March ). Eine weitere aktuelle
Metaanlyse (Davis et al) zeigt einen deutlich positiven Effekt
für viele der neueren/atypischen Antipsychotika. In der
Wirksamkeit waren nach dieser Metaanalyse der Literatur bis 2002
Clozapin, Amisulprid, Risperidon, und Olanzapin signifikant
wirksamer als konventionelle Antipsychotika wie Haloperidol. Dies
auch bei Neubewertung der Daten einer älteren britischen
Metaanalyse. Die anderen Atypika zeigten eine zumindest gleich
gute Wirksamkeit, wie die konventionellen Antipsychotika. Die
unabhängig vom günstigeren Nebenwirkungsprofil.
Mit einbezogen in diese Metaanalyse waren die Rohdaten der 30
Studien die Geddes et al und die Daten der Cochrane Untersuchung
mit 33 Studien. Während insgesamt von der Studienlage her
Clozapin herausragt, zeigt der direkte Vergleich verschiedener
Atypika keinen sicheren Unterschied in der Wirksamkeit. Das
Argument von Geddes, dass der positivere Effekt der Atypika in
den Studien auf eine inadäquat hohe Dosierung von Haldol
zurückgehen, wurde von Davis et al an den Daten von Geddes
et al wie an den Gesamtdaten widerlegt. Ein Teil dieser Vermutung
von Geddes resultiert danach daraus, dass in Clozapinstudien
häufig Patienten untersucht wurden, die auf hohe Dosen von
Haldol nicht angesprochen hatten. Letztere waren wegen der
Therapieresistenz hoch dosiert. Als wesentliche Unbekannte gilt
der Effekt, der dadurch entsteht, dass fast alle Studien von der
Pharmaindustrie bezahlt wurden (negative Studien könnten
eventuell nicht publiziert worden sein. Atypische Neuroleptika
sind sehr teuer und haben international Milliardenumsätze.
Auch gute Studien sind teuer. Es handelte sich allerdings um
randomisierte Doppelblindstudien. Während die Atypika nur
eine leicht bessere Wirkung auf Positivsymptome zeigen, ist in der
Diskussion ob der
Unterschied bei den Negativsymptomen, den kognitiven Symptomen
(Denkstörungen), Stimmung, und Impulskontrolle/
Erregungszustände deutlich größer ist. Auch hier gibt es
nach neuen Studien keine eindeutigen Resultate. Eine Studie
vergleicht beispielsweise die Besserung der kognitiven Störungen
bei Ersterkrankten unter Behandlung mit Atypika oder
konventionellen Antipsychotika. Zwischen den verschiedenen
Gruppen mit Haloperidol (1 - 4 mg/Tag [N=103]), Amisulprid
(200 - 800 mg/Tag [N=104]), Olanzapin (5- 20 mg/Tag [N=105]),
Quetiapin (200 -750 mg/Tag [N=104]), oder Ziprasidon (40 -160
mg/Tag [N=82]), gab es keine signifikanten Unterschiede bei der
Durchführung kognitiver Tests.
(Am J Psychiatry 2009; 166:675–682)
Stefan Leucht fanden in einer neuen Metaanalyse
eine deutlich bessere Compliance unter Atypika als Gruppe
verglichen mit konventionellen Antipsychotika. Eine neue Studie
(Stephen R. Marder et al) vergleicht Haloperidol und Risperidon
im 2 Jahresverlauf, die Besserung positiver und negativer
Symptome war ähnlich, ebenso die Rückfallrate.
Allerdings fühlten sich die mit Risperidon behandelten
Patienten subjektiv besser, sie hatten weniger unter Angst und
Depressionen zu leiden und hatten weniger extrapyramidale
Nebenwirkungen. In einer Vergleichsstudie Haloperidol gegenüber
Olanzapin blieben in der 12 wöchigen Studie 67% der
Patienten bei Olanzapin versus 54% bei Haldol. Auch hier war die
Verträglichkeit ausschlaggebend. (Jeffrey A.
Lieberman et al). 2002 wurde ermittelt, dass in den USA
der Anteil der Atypika an den Neuroleptikaverordnungen im
Durchschnitt 60 Prozent beträgt, in Italien 40 Prozent, in
Deutschland liegt die Rate dagegen unter 25 Prozent. Eine
finnische Studie beobachtet 2230 Erwachsene die in Finnland das
erste Mal wegen einer Schizophrenie oder einer schizoaffektiven
Störung zwischen Januar 1995 bis Dezember 2001 stationär
aufgenommen worden waren nach. Patienten die mit Perphenazin
depot, Clozapin, oder Olanzapin behandelt wurden hatten ein
erheblich niedrigeres Risiko für eine erneute Notwendigkeit
einer stationären Behandlung und setzten deutlich
seltener ihre Medikamente ab als Patienten, die mit
Haloperidol behandelt wurden. Eine erhöhte Sterblichkeit
wurde besonders bei Patienten gesehen, die keine Antipsychotika
einnahmen. BMJ 2006;333:224,
doi:10.1136/bmj.38881.382755.2F (published 6 July 2006)
[Abstract]
[Abridged
PDF] [Full
text] [PDF]
Nicht jede antipsychotische Therapie ist für alle
Schizophreniepatienten gleichermaßen gut geeignet. Je nach
Ansprechen auf das ursprüngliche Medikament und je nach dem
ob eine Positiv und/oder Negativsymptomatik im Vordergrund steht
muss bei nicht wenigen Patienten das Medikament gewechselt
werden. Solche Wechsel sind im Laufe der Behandlung häufig
erforderlich. Eine neuere Studie sieht bei Ersterkrankten eine
wesentlich schnellere und anhaltendere Besserung kognitiver
Störungen unter Risperidon im Vergleich zur Haloperidol. Am
J Psychiatry 2005 162: 1888-1895. [Abstract]
[Full
Text] [PDF]
Neuerdings wird auch die englische CUtLASS 1
(Cost Utility of the Latest Antipsychotic Drugs in Schizophrenia
Study )als Beweis für die Ebenbürtigkeit
konventioneller Antipsychotika gegenüber den Atypika
angeführt. Tatsächlich zeigte sich bei der Behandlung
von über 200 Patienten über ein Jahr hinweg kein
Vorteil der neuen Medikamente gegenüber den alten.
Erstaunlich ist aber die Auswahl der alten Antipsychotika, die
verwendet wurden. Unter den alten war Sulpirid mit 58 Patienten
bei Aufnahme und 31 Patienten nach 52 Wochen Beobachtung einsamer
Anführer der Liste. Für Haloperidol waren es gerade
8 und 2 Patienten. Unter den alten Typika wurden somit den
"Atypischen" der Vorzug gegeben, auch die Autoren
gehen im Artikel davon aus, dass den beteiligten Psychiatern
Haloperidol ein zu ungünstiges Nebenwirkungsprofil hatte.
Die Autoren selbst weisen darauf hin, dass zu Sulpirid keine
vernünftige Datenlage existiert. Soares BG, et al kommen in
einer Cochrane Database Syst Rev. 2000;(2):CD001162 zum Ergebnis,
dass für Sulpirid nicht einmal eine Placeboüberlegenheit
als wissenschaftlich erwiesen angesehen werden kann. Wer
nur das Abstract liest, dem wird diese entscheidende Erklärung
für das Ergebnis entgehen. Dass solche alten Medikamente,
wie Sulpirid, Perazin, Flupentixol oder Fluphenazin
möglicherweise zu Unrecht selten verordnet werden ist
anzunehmen. Qualitativ hochwertigere Studien zu diesen alten
partiell atypischen Medikamenten wären sinnvoll, auch jetzt
noch obwohl 2007 jetzt Risperidongenerika auf den Markt kommen
werden. Die Auswahl von Medikamenten ist individuell und nicht
sinnvoll generalisierbar. Sulpirid, das in der CUtLASS 1
Studie das häufigste Typikum war, wird hierzulande
hauptsächlich gegen Befindlichkeitsstörungen wie
Schwindel und Ängste eingesetzt. In dem antipsychotisch
wirksamen Dosisbereich sind hormonelle Nebenwirkungen wie
Milchfluss und Impotenz häufig zu erwarten. Sulpirid ist dem
Amisulpirid ähnlich, und im Bezug auf die extrapyramidalen
Nebenwirkungen durchaus atypisch. Peter B. Jones,
et al., Randomized Controlled Trial of the Effect on
Quality of Life of Second- vs First-Generation Antipsychotic
Drugs in Schizophrenia Cost Utility of the Latest Antipsychotic
Drugs in Schizophrenia Study (CUtLASS 1) Arch Gen Psychiatry.
2006;63:1079-1087 In einer anderen neuen Studie war die
Wirksamkeit von Haloperidol zwar den neuen Antipsychotika
ebenbürtig, die Fortführungsquote war bei den moderneren
Antipsychotika in der Langzeitbehandlung allerdings deutlich
besser. Nach dem ersten schizophrenen Schub beendeten im ersten
Jahr deutlich mehr mehr Patienten der Haloperidol-Gruppe
(63 Personen) die Behandlung als jene der anderen Gruppen:
Amisulpride (32), Olanzapine (30), Quetiapin (51) und Ziprasidon
(31). Diese Abstimmung mit den Füßen hat für den Verlauf
durchaus sehr bedeutsame Konsequenzen.
R Kahn and others. Effectiveness of antipsychotic drugs in
first-episode schizophrenia and schizophreniform disorder: an
open randomised clinical trial. Lancet 2008; 371:
1085-1097 In einer weiteren aktuellen Studie zeigt
sich, dass das Risiko, dass ein erneuter Psychiatrieaufenthalt
erforderlich wird unter Atypika deutlich geringer ist als unter
den Antipsychotika der ersten Generation. Wie zu erwarten zeigt
diese Studie allerdings auch, dass die alten Antipsychotika oft
im Akutfall schneller wirken. Langfristig, sind sie aber
offensichtlich den neueren Antipsychotika unterlegen. Claire
Advokat, Benjamin D. Hill and Joseph E. Comaty, Real
World’ Comparison of First- and Second-Generation Antipsychotics
in Regard to Length of Inpatient Hospitalization and Number of
Re-hospitalizations,
Psychiatric Quarterly ISSN 0033-2720 79, ( 1) 2008 55-64
Die
Auswahl des Medikamentes ist immer individuell. Diese Auswahl
hängt auch von den persönlichen Erfahrungen des Arztes
ab. Wichtig sind auch die speziellen Symptome des Patienten,
seine sonstigen Risikofaktoren (z.B. Reaktion auf frühere
Medikamente, Diabetes m. in der Familie, Übergewicht...) und
die Lebensumstände des Patienten (arbeitet er, fährt er
Auto und die Sedierung gefährdet ihn, leidet die Partnerin
oder er selbst sehr unter den sexuellen Nebenwirkungen....).
|
Wirkung nach
der Evidence based Literatur zu Antipsychotika, unterschiedliche
Einschätzungen nach Psychiatric News APA 7/2003
|
|
Generation |
Substanz |
Effect
Size (a)
|
Mögliche
Nebenwirkungen (b)
|
|
Leucht et al 1998 |
Geddes et al 2000 |
Davis et al 2003 |
dosis-abhängige Extra-pyramidale
Symptome
|
Sedierung |
Anti-cholinerge
Wirkungen |
Gewichts- Zunahme |
Anstieg des Blut-zuckers |
Anstieg des
Cholesterin/ Blutfett-spiegels |
Wirkung auf das
Reiz-leitungs- System am Herz
|
|
1. |
Haloperidol |
0,000 |
0,000 |
0,000 |
+++
|
+
|
+/-
|
+
|
++
|
-
|
+/-
|
|
2. |
Clozapin |
NS |
0,680** |
0,494** |
-
|
+++
|
+++
|
+++
|
++
|
++
|
++
|
|
Risperidon |
0,060** |
0,150** |
0,252** |
++
|
+
|
+/-
|
++
|
+/-
|
-
|
+/-
|
|
Olanzapin |
0,070** |
0,220** |
0,221** |
+
|
++
|
+
|
+++
|
++
|
++
|
+/-
|
|
Quetiapin |
0,050 |
0,030 |
0,008 |
-
|
++
|
+/-
|
+
|
+/-
|
-
|
+/-
|
|
Ziprasidon |
NS |
NS |
0,038 |
+
|
+
|
+/-
|
+/-
|
+/-
|
?
|
++
|
|
3. |
Aripiprazol (c) |
NS |
NS |
0,038 |
-
|
+/-
|
-
|
+/-
|
-
|
-
|
-
|
Fußnote zur Tabelle: (a) Effect size; Wirkung
verglichen mit Haloperidol oder Haloperidoläquivalent (**
stat. sig.); NS= nicht untersucht (not studied); (b) Schlüssel
zum Ratin der Nebenwirkungen : - = keine Inzidenz; +/- =
widersprüchlich; + = geringe Inzidenz; ++ = mäßige
Inzidenz;; +++ = hohe Inzidenz; ? = unbekannt; NS = nicht
untersucht. (c) die Daten für Aripiprazol kommen überwiegend
aus den Zulassungsstudien. Auswertung von: Davis JM et al; Arch
Gen Psychiatry 2003; 60:553-564; Geddes J et al; BMJ 2000;
321:1371-1376; Leucht S et al; Schizophr Res 1999; 35:51-68;
Leucht S et al; Lancet 2003; 361:1581-1589; Lindenmayer JP et al;
Am J Psychiatry 2003; 160:290-296; Sernyak MJ et al; Am J
Psychiatry 2002; 159:561-566; Tandon R, Jibson MD;
Psychoneuroendocrinology 2003; Suppl 28:9-26; Vanina Y et al;
Psychiatric Services 2002; 53:842-847; Wirshing DA et al; J Clin
Psychiatry 2002; 63:856-865; U.S. Food and Drug Administration
Web site (multiple pages), www.fda.gov; Drug Facts and
Comparisons, 57th ed. St. Louis, MO, Facts and Comparisons, 2003.
bild aus den Psychiatric News, URL
http://pn.psychiatryonline.org,
Jim Rosack, Clinical & Research News New Studies Raise
Questions About Antipsychotic Efficacy Psychiatric News July 4,
2003 Volume 38 Number 13
http://pn.psychiatryonline.org/cgi/content/full/38/13/18

Die Empfehlung, in
der Regel atypische Neuroleptika als Mittel der ersten Wahl
gegenüber typischen Neuroleptika zu bevorzugen, entspricht
internationalem Standard. So gibt die Expert Consensus Guideline
"Treatment of Schizophrenia" (McEvoy JP, Scheifler PL,
Frances A: The Expert Consensus Guideline Series: Treatment of
Schizophrenia 1999. J Clin Psychiatry 60 (1999) Suppl. 11)
folgende Empfehlungen: Leitlinie 1: Initiale Behandlung einer
akuten Episode Krankheitsbedingungen Empfehlung. Allerdings
sehen neue Studien keinen wesentlichen Unterschied in der
Wirksamkeit zwischen so genannten typischen und atypischen
Antipsychotika. In der jüngeren Diskussion wird das metabolische
Syndrom, das unter den neuen Medikamenten häufiger auftritt auch
als gravierender bewertet als in den älteren Studien.
Insgesamt muss beim individuellen Patienten ein sinnvolles und
für den Patienten akzeptables Gleichgewicht zwischen Wirkung und
Nebenwirkungen gefunden werden. Gründe für das vorzeitige
Absetzen sind nicht nur Bewegungsstörungen, sondern auch
Sedierung, sexuelle Nebenwirkungen und Übergewicht. Das
Risiko für Sedierung, sexuelle Nebenwirkungen und Übergewicht
ist oft bei den älteren Antipsychotika geringer. Zumindest bei
Clozapin scheint es so zu sein, dass besonders bei den Patienten
eine Wirkung zu erwarten ist, die durch das Medikament kräftig
an Gewicht zunehmen. Ähnlich wie bei den Dyskinesien gibt es bei
der Gewichtszunahme und dem Mortalitätsrisiko durch das
Metabolische Syndrom eine Diskussion, wieviel prozentual durch
eine entsprechende Disposition bedingt ist.

|
Erstepisode mit
vorwiegend positiven Symptomen
|
neueres atypisches
Antipsychotikum
|
|
Erstepisode mit
sowohl positiven als auch negativen Symptomen
|
neueres atypisches
Antipsychotikum
|
|
Exazerbation trotz
guter Compliance unter einem konventionellen Antipsychotikum
|
Umstellen auf ein
neueres atypisches Antipsychotikum
|
|
Schlechte Compliance
unter oraler Medikation oder anhaltend
fehlende Krankheitseinsicht
|
Umstellen auf ein
lang wirkendes Depotneuroleptikum (z.B. Haloperidol Decanoat)
|
|
Zitat nach: J.
Fritze, M. Schmauß für den Vorstand der Deutschen
Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und
Nervenheilkunde (DGPPN) Änderung der
Arzneimittel-Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und
Krankenkassen bezüglich atypischer Neuroleptika1
Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie,
Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)
http://www.dgppn.de/stellungnahmen/Bundesausschuss_atypische_Neuroleptika.pdf
|
|
Auswahl
des Antipsychotikums nach den Amerikanischen Leitlinien 2004
|
|
Patientenprofil |
Gruppe 1
konventionelle Antipsychotika |
Gruppe 2 atypische
Antipsychotika (Risperidon, Olanzapin, Quetiapin, Ziprasidon,
oder Aripiprazol) |
Gruppe 3 Clozapin
|
Depot-neuroleptika |
|
erste Episode |
|
ja
|
|
|
|
anhaltende Suizidalität |
|
|
ja
|
|
|
anhaltende Feindseeligkeit und
aggressives Verhalten |
|
|
ja
|
|
|
Tardive Dyskinesie |
|
die Gruppe 2 ist
möglicherweise nicht einheitlich in der geringeren
Häufigkeit von tardiven Dyskinesien
|
ja
|
|
|
Vorgeschichte mit besonderer
Empfindlichkeit gegenüber extrapyramidalen Nebenwirkungen |
|
Außer
höhere Dosen von Risperidon
|
|
|
|
Empfindlichkeit gegenüber
Prolaktinerhöhungen |
|
Außer
Risperidon
|
|
|
|
Empfindlichkeit gegenüber
Gewichtszunahme, Hyperglykämie, oder Hyperlipidämie |
|
Ziprasidon,
Aripiprazol
|
|
|
|
Wiederholtes eigenmächtiges
Absetzen mit Rückfall |
|
|
|
ja |
|
Leitlinie
der American Psychiatric Association (APA) 120 Seiten PDF
Dokument Stand Februar 2004.Die Gruppe
1 der konventionellen Antipsychotika kommt somit in den
Empfehlungen dieser tabellarischen Übersicht nicht mehr vor.
|
|
Die aktuellen Leitlinien
Schizophrenie
DGPPN 11/2005 (Hrsg.) empfehlen zur Auswahl der Medikation:
|
|
Bei der Behandlung der akuten schizophrenen
Episode stellen atypische Antipsychotika aufgrund der
geringeren Rate an extrapyramidal-motorischen Störungen bei
vergleichbarer Wirksamkeit gegenüber konventionellen
Antipsychotika Medikamente der ersten Wahl dar, falls
nicht der Patient selbst konventionelle Antipsychotika präferiert
oder er darauf bereits ohne relevante Nebenwirkungen remittierte. |
|
Wenn die Entscheidung für eine Behandlung
mit typischen Antipsychotika in der Akuttherapie der
Schizophrenie getroffen ist, sollten in erster Linie Haloperidol,
Flupentixol, Fluphenazin oder Perazin verwendet werden, da u. a.
hierfür eine qualitativ hochwertige "Evidenz"
vorliegt. |
|
Eine Monotherapie mit einem Antipsychotikum ist
bei der Therapie der akuten schizophrenen Episode ist zu
bevorzugen. |
|
Wenn unter einem konventionellen Antipsychotikum
eine gute Kontrolle der Symptome erreicht wurde und eine gute
Verträglichkeit und Akzeptanz seitens des Patienten besteht,
sollte nicht ohne Veranlassung auf ein atypisches Antipsychotikum
umgestellt werden. In jedem Fall sollte der Betroffene jedoch auf
das erhöhte Risiko von Spätdyskinesien hingewiesen
werden. |
Eine Umstellung der antipsychotischen
Pharmakotherapie oder Erhöhung über den empfohlenen
Dosisbereich hinaus aufgrund einer nicht ausreichenden Wirkung
sollte frühestens nach 2–4 Wochen vorgenommen
werden. Applikationsform des Antipsychotikums Es sollte bei
kooperativen Patienten die orale Applikationsform als am
wenigsten invasive Maßnahme gewählt werden, da
dadurch bei ähnlich guter Wirksamkeit die Patientenautonomie
am besten gewährleistet wird, es sei denn, es besteht der
Patientenwunsch nach einer anderen Darreichungsform. |
Die Dosierung der konventionellen Antipsychotika
zur Behandlung der akuten schizophrenen Episode sollte im Bereich
von 300 bis maximal 1000 mg/d Chlorpromazin-Äquivalenten
(CPZ) liegen. Hierbei sollte die niedrigste wirksame Dosis
gewählt werden. Dosierung von Haloperidol Sie
Dosierung des konventionellen Antipsychotikums Haloperidol in der
Behandlung der akuten schizophrenen Episode sollte, wenn möglich,
nicht mehr als 10 mg/d betragen, da bei vergleichbarer
Wirksamkeit oberhalb dieser Dosierung das Risiko von EPS erhöht
ist. Kombination von Antipsychotika mit Carbamazepin oder
Valpronsäure Eine Kombination von Antipsychotika mit
Carbamazepin zur Behandlung der Positivsymptomatik kann nicht
empfohlen werden, für die Kombinationstherapie mit
Valproinsäure oder Lithium gibt es nur begrenzte Hinweise
für eine bessere Wirksamkeit. |
Differentielle Wahl und Dosierung des
Antipsychotikums Bei vorherrschender Negativsymptomatik
sollten als Medikamente der ersten Wahl atypische Antipsychotika
mit erwiesener Wirkung auf Negativsymptome eingesetzt werden. Zur
Behandlung kognitiver Beeinträchtigungen sollten
atypische Antipsychotika bevorzugt eingesetzt werden. |
|
Dosierungen nach den Leitlinien |
|
Substanz
|
Empfohlene Startdosis (mg/d)
|
DI1
|
Zieldosis Ersterkrankte (mg/d)
|
Zieldosis Mehrfacherkrankte (mg/d)
|
Höchste empfohlene Dosis (mg/d) 2
|
|
|
Atypika
|
|
Amisulprid
|
200
|
(1)–2
|
100–300
|
400–800
|
1200
|
|
Aripiprazol
|
(10)–15
|
1
|
15–(30)
|
15–30
|
30
|
|
Clozapin3
|
25
|
2–(4)
|
100–250
|
200–450
|
900
|
|
Olanzapin
|
5–10
|
1
|
5–15
|
5–20
|
20
|
|
Quetiapin
|
50
|
2
|
300-600
|
400-750
|
750
|
|
Risperidon
|
2
|
1–2
|
1–4
|
3–6–(10)
|
16
|
|
Ziprasidon
|
40
|
2
|
40–80
|
80–160
|
160
|
|
Konventionelle
Antipsychotika
|
|
Fluphenazin
|
0,4–10
|
2–3
|
2,4–10
|
10–20
|
20–(40)
|
|
Flupentixol
|
2–10
|
1–3
|
2–10
|
10–60
|
60
|
|
Haloperidol
|
1–10
|
(1)–2
|
1–4
|
3–15
|
100
|
|
Perazin
|
50–150
|
1–2
|
100–300
|
200–600
|
1000
|
|
Perphenazin
|
4–24
|
1–3
|
6–36
|
12–42
|
56
|
|
Pimozid
|
1–4
|
2
|
1–4
|
2–12
|
16
|
|
Zotepin
|
25–50
|
2–(4)
|
50–150
|
75–150
|
450
|
|
Zuclopenthixol
|
2–50
|
1–3
|
2–10
|
25–50
|
75
|
|
1
|
DI (Dosierungsintervall): Empfohlene Verteilung
der genannten Gesamtdosis über den Tag – Ein
Zeitpunkt= 1, Zwei Zeitpunkte=2 usw., Höchstdosierungen
müssen ggf. auf mehrere Zeitpunkte verteilt werden.
|
|
2
|
Höchste zugelassene Dosis nach Angaben der
Fachinformationen. Insbesondere bei den neueren Antipsychotika
werden jedoch auch in der klinischen Praxis oft höhere
Dosierungen verwendet („off-label- use“) und positive
Erfahrungen damit (kasuistisch) berichtet.
|
|
3
|
Clozapin wird üblicherweise nicht zur
Behandlung von Ersterkrankungen eingesetzt. |
Die Preisunterschiede und ihre Folgen für die
Bedrohungslage der Ärzte:
Haloperidol
TD* von 10 mg: ca. 0,49 Euro,
Perazin
TD von 400 mg: ca. 1,52 Euro
Zotepin
Nipolept® TD von 200 mg: 1,37 Euro
Amisulprid:
Solian® TD von 400 mg: 5,43 Euro
Clozapin:
Clozapin neuraxpharm ® TD von 400 mg: 3,23 Euro
Clozapin:
Leponex® TD von 400 mg: 4,64 Euro
Olanzapin:
Zyprexa® TD von 15 mg:11,85 Euro
Quetiapin:
Seroquel® TD von 450 mg: 7,77 Euro
Risperidon:
Risperdal® TD von 5 mg: 7,43 Euro
Risperdal
Consta TD 25/50mg: 11,76/23,52 Euro
Ziprasidon:
Zelodox® TD 160mg: 10,72 Euro
*
Tagesdosis Stand: 10.10. 2003 Preis nach Rote Liste
http://www.rote-liste.de/
Nach dem Gesetz soll der Arzt je nach KV- Bezirk in dem er
zugelassen ist, mit einem Budget von etwa 50 Euro den Patienten 3
Monate = ein Quartal behandeln. (Manche KVen haben einen rational
vertretbaren Betrag von 100 Euro gewählt). Es wird
damit eine Behandlung mit Tagestherapiekosten von etwa 0,55 Euro
erwartet. Rein rechnerisch wäre damit ausschließlich
eine Behandlung mit Haldol möglich, selbst das mittelpotente
klassische Neuroleptikum Perazin wäre zu teuer. Die
angegebenen Dosen sind zudem oft nicht ausreichend. Manche
Patienten benötigen durchaus z.B. 30 mg Zyprexa. Bei
Behandlung eine Patienten alleine mit 30 mg Zyprexa oder 50 mg
Risperdal Consta müsste der Arzt zum Ausgleich um sein
Budget einhalten zu können, 43 Patienten ohne Medikamente
belassen. Hinzu kommt, dass die meisten Menschen die an einer
Psychose leiden, zusätzlich zum Antipsychotikum oft noch
Antidepressiva oder andere Medikamente brauchen. Folgekosten
durch vermehrte Nebenwirkungen, beschleunigte Invalidität,
häufigere Krankenhausaufenthalte, verfrühte Berentung,
Heimeinweisung, Notwendigkeit eine betreuten Wohnens, Hauspflege
zur Kontrolle der Medikamenteneinnahme usw. werden dabei seitens
der Politik und der Krankenkassen nicht berücksichtigt.
Gleichzeitig heißt es in den allgemeinen
Verordnungsmöglichkeiten auf der Grundlage von §2 Abs.
1 Satz 3, §§12, 70 SGB: Für die Verordnung
von Arzneimitteln ist der therapeutische Nutzen gewichtiger als
die Kosten. Dabei ist auch die für die Erzielung des
Heilerfolgs maßgebliche Zeit zu berücksichtigen. Auch
für diesen Widerspruch gibt es für Ärzte (und
damit letztlich zu Lasten der Kranken), keinen rechtssicheren
Weg. Die Diskussion wie gespart werden könne ist oft mit
Zirkelschlüssen durchsetzt und in der Praxis (und im
Angesicht der Patienten) nicht nachvollziehbar. Ausführliches
ungekürztes Zitat: " Rang 12 Zyprexa (Wirkstoff:
Olanzapin) Rang 16 Risperdal (Wirkstoff: Risperidon: Das
Arzneimittelkursbuch 2002/ 2003 (S.1895) bezeichnet den Wirkstoff
Olanzapin als „(....) Clozapin-Variante mit Wirksamkeit auf
psychotische Plussymptome wie Halluzinationen. Ausgeprägte
Gewichtszunahme und starke Sedation. Als „atypisches“
Neuroleptikum scheint Olanzapin günstiger als Haloperidol
auf Minussymptome wie Apathie zu wirken. (....) Wie aus
„vertraulichen“ Informationen des Herstellers an
klinische Prüfer hervorgeht, gleicht Olanzapin in
präklinischen tierexperimentellen Untersuchungen zur
Auslösung immunogener Erkrankungen und Knochenmarksschäden
weitgehend Clozapin. Agranulozytosen wurden in klinischen
Prüfungen nicht beobachtet, jedoch neben Leukopenie,
Granulozytopenie und Eosinophilie nach Markteinführung.
(.......)“Die Arzneimittelkommission der deutschen
Ärzteschaft empfiehlt, bei Patienten, die das Neuroleptikum
Olanzapin einnehmen, das Blutbild regelmäßig in zwei-
bis vierwöchentlichen Abständen zu kontrollieren. Die
potenzielle Wirkung von Olanzapin auf das weiße Blutbild
sollte nicht unterschätzt werden, eine endgültige
Einschätzung des tatsächlichen Risikos könne erst
nach jahrelanger sorgfältiger Beobachtung vorgenommen werden
(Dt. Ärzteblatt 2001, 3 und 8, A 130 und C 357). Nach
Fricke/ Klaus gehört Olanzapin als „Analogpräparat
mit keinen oder nur marginalen Unterschieden zu bereits
eingeführten Präparaten“ – wie Risperidon –
zu den „besonders teuren Neuroleptika“ (Neue
Arzneimittel, Band 11, S. 474f). Der Wirkstoff Risperidon wird
gemäß Arzneimittelkursbuch 2002/ 2003 (S. 1904) mit
dem Wirkstoff Haloperidol verglichen: „(....) Das
Benzisoxazol-Derivat bessert schizophrene Symptome vergleichbar
wie konventionelle Neuroleptika. Ein klinisch relevanter Vorteil
gegenüber Standardpräparaten wie Haloperidol lässt
sich nur für die niedrig dosierte Behandlung (2-4 mg/Tag)
hinsichtlich der neuroleptischen Denkstörungen und der
Häufigkeit von extrapyramidal-motorischen Störwirkungen
und Spätdyskinesien wahrscheinlich machen. Kann bei
Minus-Symptomatik Clozapin oder Olanzapin nicht ersetzen. Wegen
proarrhythmischer Effekte (QT-Verlängerung) und
orthostatischer Hypotonie empfiehlt sich Zurückhaltung bei
Herzkranken.“ Aus Arbeitshilfe
zur Umsetzung der Zielvereinbarung, Die Kassenärztliche
Vereinigung und die Krankenkassen in Schleswig-Holstein, Ausgabe
2, Januar 2003,
http://www.kvsh.de/bibliothek/vereinbarungen/arzneimittelversorgung/kommentar_2003.pdf
Für
den Arzt in der Prüfung heißt dies dann wohl, Zyprexa
und Risperdal sind MeToo Präparate wenn er eines davon
verordnet hat, hätte er das andere verordnen sollen, und in
jedem Fall statt beiden Haldol. Insgesamt bleibt damit für
Ärzte, die sich an modernen Behandlungsstandards,
orientieren eine ständige existentielle Bedrohung.
Arzneimittelregresse, so sie stattfinden, führen in der
Regel zur Existenzvernichtung des Arztes. Alternative wäre,
die Patienten entweder an die (teurere) Klinikambulanz abzugeben,
oder einfach schlecht oder gar nicht zu behandeln. Dennoch
verzeichnen Antipsychotika nach dem Arzneimittelreport eine
Umsatzsteigerung (+22%), was nur mit vermehrter Verordnung von
modernen, nebenwirkungsärmeren (und teureren) atypischen
Antipsychotika erklärbar ist. Die Verordnung von Atypika hat
2001 um 5% zugenommen. Sie machen inzwischen 64% des Umsatzes an
Antipsychotika aus, was einen Anteil an den verordneten
Tagesdosen (atypischen Antipsychotika vs.
Neuroleptika-Gesamtverordnungen) von 25% ausmacht. All das
allerdings auf Risiko der Verordner. Jürgen Fritze
·Nervenarzt 2003 · 74:301–306. Es gibt
allerdings auch neuere Studien, die keine gravierenden
Unterschiede in der Wirksamkeit und Verträglichkeit zwischen
den alten und den neuen Antipsychotika sehen. Besondere Beachtung
fand das “Clinical Antipsychotic Trials of Intervention
Effectiveness“(CATIE) Projekt. Siehe Graphik.
Allerdings
ist die in der Presse vielfach zitierte CATIE Studie mit häufig
übersehenen Mängeln behaftet. Die Patienten mit
vorbestehender tardiver Dyskinesie durch Neuroleptika wurden von
der Behandlung mit Perphenazin ausgeschlossen. Dabei soll es sich
um 25% der Patienten (N=80) gehandelt haben. Die Patienten die
bereits extrapyramidalmotorische Nebenwirkungen hatten wurden
also ausschließlich den Gruppen mit Atypika zugeordnet. Das
bedeutet auch, dass dort die für diese Nebenwirkungen
empfindlicheren Patienten waren. Ein wirklich fairer Vergleich
hat also nicht stattgefunden. Es ist wohl in allen Praxen und
Kliniken üblich, dass man die Patienten, die ihr Depot gut
vertragen und damit stabil bleiben mit dieser Medikation belassen
werden. Letztlich bestätigt CATIE damit nur dieses
Vorgehen, eine Gleichwertigkeit der alten Depotneuroleptika
kann damit aber nicht bestätigt werden. Eine andere neue
Untersuchung verglich die Veränderung des Gehirnvolumens
schizophrener Patienten vor und nach der Behandlung des ersten
Schubes unter Haloperidol und dem neuren atypischen Neuroleptikum
Olanzapin (Haloperidol 2-20 mg/Tag und das atypische
Antipsychotikum Olanzapin 5-20 mg/Tag).. Aus früheren
Untersuchungen mit konventionellen Neuroleptika war bekannt, dass
es nach dem ersten Schub zu einer Atrophie bestimmter Hirnteile
aber auch global des Gehirns kommt. In dieser Studie wurde
immerhin bei 161 Patienten vor und nach Behandlung das
Hirnvolumen verglichen. Unter Haloperidol kam es zu einer
signifikanten Abnahme der grauen Substanz des Gehirns, unter
Olanzapin trat diese Abnahme nicht ein. Die weiter Analyse gab
Hinweise, dass die Hirnatrophie unter Haloperidol auch zur
Psychopathologie nach Behandlung (Negativsymptomatik) beigetragen
hat. Die Autoren sehen 2 mögliche Erklärungen, entweder
Haloperidol ist giftiger für das Gehirn oder Olanzapin hatte
eine bessere Wirkung mit Erhalt der Hirnsubstanz. Leider finden
solche Studien in Zeiten des Sparzwangs wenig
Medienaufmerksamkeit. Arch Gen Psychiatry. 2005;62:361-370
Andererseits heißt es: Qualität und
Wirksamkeit der Leistungen haben dem allgemein anerkannten
Stand der medizinischen Erkenntnisse zu entsprechen und
den medizinischen Fortschritt zu
berücksichtigen. Krankenkassen, Leistungserbringer und
Versicherte haben darauf zu achten, dass die Leistungen wirksam
und wirtschaftlich erbracht und nur im notwendigen Umfang in
Anspruch genommen werden. (§ 2 SGB vom 24. Juli 2003 (BGBl.
I Bl. 1526)). Im § 12 SGB V heißt es weiter:
Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und
wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des
Notwendigen nicht überschreiten. Leistungen, die nicht
notwendig oder unwirtschaftlich sind, können Versicherte
nicht beanspruchen, dürfen die Leistungserbringer nicht
bewirken und die Krankenkassen nicht bewilligen.
Diskussionsgegenstand ist dabei was der allgemein
anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse ist, und was
ein medizinischer Fortschritt ist. Auch die
Begriffe wirksam, wirtschaftlich, ausreichend, zweckmäßig
und notwendig werden je nach Interesselage
unterschiedlich definiert. Der Versicherte hat im Rahmen der
vertragsärztlichen Versorgung gegen den Vertragsarzt einen
Anspruch auf diejenige Behandlung, welche aufgrund des
Behandlungsverhältnisses nach den ärztlichen und
rechtlichen Maßstäben erforderlich ist. Dazu gehört
insbesondere die Beachtung der Regeln der ärztlichen Kunst
auf der Grundlage des Standes der medizinischen Erkenntnisse. In
diesem Rahmen hat der Vertragsarzt auch das
Wirtschaftlichkeitsgebot der vertragsärztlichen Versorgung
zu beachten. Therapeutischer Nutzen setzt eine
Nutzen-Risiko-Abwägung mit günstigem Ergebnis voraus;
er besteht in einem nach dem allgemein anerkannten Stand der
medizinischen Erkenntnisse relevanten Ausmaß der
Wirksamkeit bei einer definierten Indikation.
www.sozialgesetzbuch.de/gesetze/index.html


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-
Bridget M.
Kuehn
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Antipsychotics Risky for Elderly
JAMA. 2008;300(4):379-380.EXTRACT
Dyskinesien
zählen zu den stark beeinträchtigenden und auch
stigmatisierenden Nebenwirkungen, die in besonderem Maße
bei den konventionellen Neuroleptika auftreten. Wenig bekannt
ist, offensichtlich Menschen die an einer Schizophrenie leiden
bereits im Rahmen der Erkrankung ein erhöhtes
Dyskinesierisiko haben. Manche Autoren hatten deshalb schon
vermutet, dass die Spätdyskinesien gar keine Nebenwirkung
der Behandlung sei, sondern ein Symptom im Rahmen der Erkrankung.
Neuere Untersuchungen, die ein eindeutig geringeres Risiko unter
Atypika nachweisen, bezeugen allerdings das Gegenteil. Besonders
empfindlich für diese Nebenwirkung sind Menschen über
50 Jahren. Währen im Durchschnitt von einem Risiko von 5%
pro Jahr ausgegangen wird, ist dieses Risiko bei Menschen über
50 Jahren 25%, 34%, und 53% nach 1, 2, und 3 Jahren
kumulativer Einnahme von konventionellen Neuroleptika. In einer
Untersuchung in Estland hatten von 99 chronischen
institutionalisierten schizophrenen Patienten im Alter
zwischen 8–65 Jahren, die mit konventionellen Neuroleptika
(79.8%) oder Clozapin (20.2%)behandelt wurden 61.6%
Bewegungsstörungen 31.3% hatten eine Neuroleptika-induzierte
Akathisie, 23.2% hatten ein Neuroleptika- induziertes
Parkinsonoid und 32.3% Neuroleptika- induzierte Spätdyskinesien.
In einer Metaanalyse betrug die jährliche Inzidenz von
Spätdyskinesien bei den Atypika 0% bei Kindern und 0.8%
(range=0.0%–1.5%) bei den Erwachsenen,
6.8% in in einer gemischten alten Bevölkerung und 5.3%
(range=0.0%–13.4%) bei Patienten über 54 Jahren. Bei
Erwachsenen betrug die Inzidenz unter Haloperidol 5.4%
(range=4.1%–7.4%). Zitat aus Leucht et al.,NeuroTransmitter
11·2003 Seite 51 ff.: Dabei zeigte sich, dass unter einer
Langzeitbehandlung mit konventionellen Neuroleptika die Inzidenz
von Spätdyskinesien (ca. 5% pro Jahr) fünfmal höher
war als unter Atypika (ca. 1% pro Jahr). Allerdings können
vermutlich unter allen Atypika auch Spätdyskinesien
auftreten. Hochgerechnet bedeutet dies, dass nach fünf
Jahren rezidivprophylaktischer Behandlung bei ca. 25% der mit
Typika behandelten Patienten Spätdyskinesien auftreten,
während unter Atypika nur ca. 5% der Patienten unter diesen
schwerwiegenden Nebenwirkungen zu leiden hätten.
- Margaret G. Woerner, Jose Ma. J. Alvir, Bruce L.
Saltz, Jeffrey A. Lieberman, and John M. Kane Prospective Study
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|
FULL
TEXT S
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- Auf einer separaten Seite Wechselwirkungen
von Psychopharmka und Medikamenten im allgemeinen.
|
Nebenwirkung
|
am unwahrscheinlichsten unter
|
am wahrscheinlichsten unter
|
|
|
Sedierung (Müdigkeit) |
Risperidon
Konventionelle
hochpotente Neuroleptika
|
Konventionelle niederpotente
Neuroleptika
Clozapin
|
|
Gewichtszunahme |
Risperidon,
Sertindol,
|
Clozapin, Olanzapin |
|
Extrapyramidal motorische Störungen (Bewegungsstörungen
wie Parkinsonoid, und Dyskinesien) |
Risperidon
Olanzapin
|
Konventionelle
mittel- und hochpotente Neuroleptika |
|
Konzentrationsstörungen |
Risperidon,
Olanzapin, Clozapin, Konventionelle hochpotente
Neuroleptika |
Konventionelle
niederpotente Neuroleptika |
|
Anticholinerge Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit,
Verstopfung, Probleme bei Prostatavergrößerung oder
erhöhtem Augendruck |
Risperidon ,
Konventionelle hochpotente Neuroleptika
|
Clozapin
Konventionelle
niederpotente Neuroleptika
|
|
sexuelle Nebenwirkungen |
Clozapin |
Konventionelle
Neuroleptika, sicher aber auch Risperidon und vermutlich unter
Risperidon am häufigsten (in den Guidelines nicht genannt) |
|
Nebenwirkungen auf das Herzkreislaufsystem |
Risperidon,
Olanzapin,
Konventionelle mittel- und hochpotente Neuroleptika
|
Konventionelle
niederpotente Neuroleptika |
|
Spätdyskinesien |
Risperidon ,
Olanzapin,
|
Konventionelle
Neuroleptika |
|
Auftreten eines malignen neurleptischen Syndromes |
Risperidon
|
Konventionelle
Neuroleptika, Siehe aber auch Olanzapine-Induced
Neuroleptic Malignant Syndrome
|
|
Diabetes mellitus oder Anlage dazu |
|
Olanzapin, Cozapin, Sertindol, (in den Guidelines nicht
genannt)Aus Sicht der AkdÄ wird empfohlen, unter –
auch länger andauernder – Olanzapin-Therapie
insbesondere den Blutzuckerspiegel und die CPK öfter zu
kontrollieren und bei ersten laborchemischen oder klinischen
Hinweisen auf das Auftreten eines Diabetes und/oder einer
Rhabdomyolyse Olanzapin abzusetzen und das Therapieschema
umzustellen. Mitteilungen:
Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft Olanzapin -
hyperosmolares Coma diabeticum, Rhabdomyolyse,
Niereninsuffizienz
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|
|
Rhabdomyolyse? |
|
Olanzapin |
|
Modifiziert aus: Expert Consensus Guideline
Series Treatment of Schizophrenia 1999
McEvoy
JP, Scheifler PL, Frances A. The Expert Consensus Guideline
Series: Treatment of Schizophrenia 1999. J Clin Psychiatry
1999;60 (Suppl 11). |
|
|
|
|
|
|
|
|
Zur Behandlung einer
ersten psychotischen Episode mit produktiven Symptomen
|
Neue atypische
Neuroleptika |
|
|
Zur Behandlung einer
ersten psychotischen Episode mit produktiven Symptomen und
Negativsymptomen
|
Neue atypische
Neuroleptika |
|
Zur Behandlung einer
psychotischen Episode die trotz medikamentöser Behandlung
und guter Kooperation mit einem konventionellen Neuroleptikum
auftrat.
|
Wechsel zu
einem neuen atypischen Neuroleptikum |
|
Für einen
Patienten der nicht compliant bezüglich der
Medikamenteneinnahme ist und wenig Krankheitseinsicht hat.
|
Wechsel zu
einem langwirksamen- Depot Antipsychotikum, (z.B., Haloperidol
decanoat, Fluanxol depot) |
|
Aus: Expert Consensus Guideline Series Treatment
of Schizophrenia 1999
McEvoy
JP, Scheifler PL, Frances A. The Expert Consensus Guideline
Series: Treatment of Schizophrenia 1999. J Clin Psychiatry
1999;60 (Suppl 11). |
Diese Tabelle macht das Dilemma unserer Nöte
durch die Gesundheitsreform deutlich. Gerade für die
Bedürftigsten droht hier eine 2-Klassenmedizin.
|
|
Behandlung
von Nebenwirkungen der Neuroleptika (im Zweifel immer das
Antipsychotikum auf eine Substanz wechseln, die ein anderes
Nebenwirkungsspektrum hat).
|
|
Tremor
(Zittern)
|
Propranolol 3x10 – 3x20mg
|
|
Akathisie (Sitzunruhe)
|
Propranolol 3x10 – 3x20mg
|
|
Parkinsonoid
|
Biperiden (z.B.: Akineton) akut evtl. i.v. sonst 1-3x 2-4mg oral
|
|
Malignes neuroleptisches Syndrom, meist zu Beginn der
Behandlung oder bei rascher Dosissteigerung, meist junge Männer,
0.07%-0.2% bis 2.2% ??der Patienten. Pathogenetisch ist die
Dopaminblockade und eine Dysregulation des sympathischen
Nervensystems für die meisten Symptome verantwortlich.
Autonome Hyperaktivität, Tachykardie, wechselnder Blutdruck,
Fieber, Bewusstseinsstörung sind die häufigsten
Symptome. (Notfall,
Intensivpflichtig), bis zum Beweis des Gegenteils sind
Tachykardie, wechselnder Blutdruck, Fieber und
Bewusstseinsstörung bei neuroleptischer Behandlung akut
klärungsbedürftig.
|
Antipsychotikum absetzen, symptomatisch Dantrolen 2,5 mg/kg i.v.
als Kurzinfusion und 7,5 mg/kg täglich i.v.
|
|
Frühdyskinesien
|
Biperiden (z.B.: Akineton) akut evtl. i.v. sonst 1-3x 2-4mg oral
|
|
Orthostatische Hypotonie
|
Stützstrümpfe, Dihydroergotamtin (z.B.: Dihydergot
ret.) 2-3x 2,5 mg oral
|
|
Delir (sehr selten, vor allem nicht mit der Psychose verwechseln)
|
Notfall, stationär behandeln, Antipsychotikum absetzen, nach
Kreislaufparameter Behandlung mit Clomethiazol (Distraneurin)
|
|
Schläfrigkeit
|
Therapiepause, langsamer Aufdosieren, evtl., Thromboseprophylaxe
|
|
Harnverhalt
|
Carbachol (Doryl) 0,25 mg i.m. Distigminbromid (z.B.:Ubretid)0,5
mg i.m. eventuell suprapubische Punktion oder Katheter- stationär
urologisch einweisen
|
|
Verstopfung
|
Empfehlung viel Trinken, Laktulose, Einlauf,
|
|
Glaukomanfall
|
Pilocarpinaugentropfen, immer Notfall zum Augenarzt oder
Augenklinik
|
|
Epileptischer
Anfall
|
Wenn er von selbst abklingt, keine Medikamente, Diagnostik wie
bei jedem Anfall, Ausschluss anderer Ursache auch bezüglich
der behandlungsbedürftigen Grunderkrankung, immer
neurologische Diagnostik, Ein Status epil. ist ein medizinischer
Notfall, dann Diazepamrektiole und stat. Einweisung.
|
Tardive Dyskinesie oder Spätdyskinesien -
Langzeitbewegungsstörungen, die vor allem unter den
Antipsychotika der ersten Generation auftreten.
Unter einer Dyskinesie versteht man eine
Verzerrung von willkürlichen Bewegungen durch unwillkürliche
Muskelaktivitäten. Tardive Dyskinesien oder
Spätdyskinesien sind potentiell irreversible, spät
einsetzende extrapyramidale Symptome der Bewegungsstörung,
die häufig durch die Langzeitanwendung von
Standardantipsychotika verursacht werden. Zu den Manifestationen
gehören unwillkürliche Bewegungen von Mund, Zunge,
Lippen, Gliedmaßen und Rumpf. Sich wiederholende Kau-
Schmatz- und Schluckbewegungen sind am häufigsten, die Zunge
kann oft nicht mehr gerade aus dem Mund gehalten werden
(Frühzeichen), Kopf und Rumpfbewegungen kommen ebenfalls
vor. Die Behandlung kann schwierig sein, und länger
anhaltende Symptome resultieren häufig in einer
Nichteinhaltung oder dem Absetzen der Antipsychotika-Behandlung.
Tardive Dyskinesien treten bei Rauchern häufiger auf als bei
Nichtrauchern. Die Angaben zur Häufigkeit dieser schweren
Nebenwirkung der Neuroleptika gehen weit auseinander. Bei
stationären Patienten schwanken die Angaben zwischen
0,5 bis 70% Durchschnittlich sollen nach Metaanalysen unter
klassischen Antipsychotika etwa 20% der Patienten eine Tardive
Dyskinesie haben, bzw. entwickeln, bisher unbehandelte Patienten
mit einer Schizophrenie sollen in 5% unter tardiven
Dyskinesien leiden. Bei Absetzen der Antipsychotika sollten
Patienten die an tardiven Dyskinesien leiden schneller Rezidive
erleiden als Patienten ohne Dyskinesien. Die Angaben zur
Häufigkeit spontaner Dyskinesien bei nie medikamentös
behandelten schizophrenen Patienten gehen in der Literatur
allerdings weit auseinander. In einer neueren Untersuchung wurden
bei 37 Patienten an 2 verschiedenen Zeitpunkten bei 9 (24%) eine
Dyskinesie bei beiden Untersuchung gesehen, bei 12 (33%) bei
einer Untersuchung, bei 16 (43%) bei keiner der beiden
Untersuchungen. 21 (57%) hatten mindesten zu einem
Zeitpunkt eine Dyskinesie. 13 (35%) hatten einen
Parkinsonismus bei zumindest einer Untersuchung. Die
Erkrankung prädisponiert also möglicherweise zu solchen
Bewegungsstörungen. Br J Psychiatry 2002 181: 135-137.
[Abstract]
[Full
Text] Auch Verwandte von schiozphrenen Patienten
die unter Dyskinesien leiden haben häufiger Dyskinesien.
McGreadie et al. Spontaneous dyskinesia in first-degree
relatives of chronically ill, never-treated people with
schizophrenia, Br J Psychiatry 2003 183: 45-49. [Abstract]
[Full
Text] Die Dyskinesien werden häufig bei
Erhöhung der Neuroleptikadosis maskiert um dann bei
Reduktion der Dosis wieder aufzutreten. Manche Autoren stellen
einen Zusammenhang zwischen tardiven Dyskinesien den in der
Literatur umstrittenen Supersenstitivitätspsychosen her.
Unstrittig ist, dass unter Atypika erheblich weniger Dyskinesien
zu erwarten sind, als unter den klassischen Antipsychotika. Ob
Clozapin überhaupt tardiven Dyskinesien auslöst ist
umstritten, wirklich zuverlässige Vergleichszahlen zwischen
Atypika und klassischen Antipsychotika gibt es aber nicht. Sicher
ist, dass die Anzahl der Patienten mit tardiven Dyskinesien in
den letzten Jahren seit Einführung der Atypika deutlich
zurückgegangen ist. Die Behandlung mit Atypika
ist also möglicherweise vorbeugend. Frauen, Patienten mit
(auch begleitenden) affektiven Störungen und Alterspatienten
sind besonders gefährdet. Auch Begleiterkrankungen wie
Diabetes m., oder Hirnschäden wirken begünstigend. Die
manchmal bleibenden Spätdyskinesien sind nicht nur ein
medizinisches sondern auch ein soziales Problem. Sie tragen
erheblich zur Stigmatisierung psychisch Kranker bei. Langsame
Aufdosierung und langsame Dosisreduktioen können das Risiko
vermindern. Therapeutisch wird meist umgestellt auf Clozapin,
manchmal hilft Tiaprid oder Nitoman, manchmal sind auch
Botulinumtoxinbehandlungen möglich. Chouinard G., Annable
L., Mercier P., Ross-Chouinard A. (1986a):A five-year follow-up
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259-263Jenner P., Marsden C.D. (1987): Neuroleptic-induced
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/ résumé in HTML / full
text in PDF] G. Chouinard, Interrelations between
psychiatric symptoms and drug-induced movement disorder [abstract
/ résumé in HTML / full
text in PDF]
Akathisie
Das subjektive innere Gefühl der Beunruhigung wird von
objektiven Zeichen der Erregung wie Umherlaufen oder der
Unfähigkeit ruhig zu sitzen begleitet. Ein weit verbreitetes
und früh einsetzendes extrapyramidales Symptom, das mit der
Anwendung von Standardantipsychotika in Verbindung gebracht wird.
Extrapyramidale Bewegungsstörung im Sinne einer Sitz-, Geh-
und Stehunruhe. Im Gegensatz zur Agitiertheit ist eher der
untere Teil und weniger der obere Teil des Rumpfes betroffen. Bei
der akuten Akathisie handelt es sich dabei um ein sehr
unangenehmes Gefühl eines Bewegungsdrangs ohne dass bei
Bewegung eine wesentliche Erleichterung auftritt. Eine Akathisie
tritt meist 5-60 Tage nach Beginn einer Neuroleptika-
(Antipsychotika-) Einnahme auf. Typisch ist ein Schaukeln und
Wippen von einem Fuß auf den Anderen im Sitzen, die
Betroffenen sind meist kaum in der Lage zu stehen ohne
umherzugehen., die Beine sind auch im Liegen in Bewegung. Eine
weitere Variante ist die Pseudoakathisie hierbei handelt es sich
um eine motorische Manifestation der Akathisie ohne das
subjektive Unruhegefühl, diese Pseudoakathisie tritt meist
bei älteren Patienten nach langjähriger
Antipsychotikaeinnahme auf, sie ist häufig mit Dyskinesien
vergesellschaftet. Chronische Akathisien haben keinen zeitlichen
Zusammenhang mit dem Beginn der Einnahme oder der Dosiserhöhung
von Antipsychotika und können auch bei Absetzen dieser
Medikamente auftreten. Manche Autoren nehmen an, dass es sich um
eine Entwicklung handelt, bei der zunächst akute Akathisien
, dann Pseudoakathisien und schließlich chronische
Akathisien auftreten. Üblicherweise wird versucht, das
Antipsychotikum zu wechseln, wenn diese Nebenwirkung auftritt,
falls dies nicht möglich ist, werden Betablocker wie
Propranolol oder Benzodiazepine eingesetzt. Systematische
Ablenkung unterstützt von Verhaltenstherapie für diese
Symptom kann ebenfalls lindernd sein. Siehe auch Mattoo SK,
Singh G, Vikas A. Akathisia – diagnostic dilemma and
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[cited 2003 Dec 14 ];51:254-256 Available
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Malignes Neuroleptika induziertes Syndrom
Soll bei etwa 0,2% der mit Neuroleptika behandelten Patienten
auftreten, am häufigsten unter Haloperidol, prinzipiell aber
bei allen Neuroleptika - auch den Atypika möglich. Einzelne
familiäre Fälle sind bekannt, so dass auch eine
genetische Komponente in der Entstehung wahrscheinlich ist. Es
bestehen gewisse Ähnlichkeiten zum Serotoninsyndrom. Neben
einer Neuroleptikabehandlung kann auch der Entzug von
Parkinsonmedikamenten bei Parkinsonkranken auslösend sein.
Einzelne Antidepressiva mit Wirkung auf das dopaminerge System
können ebenfalls auslösend sein (Dothiepin, Amoxapin,
Trimipramin). Nortryptilin und SSRIs und Lithium können vor
allem bei Patienten die zuvor oder gleichzeitig Neuroleptika
erhalten haben auslösend sein. Eine Vielzahl andere
Medikamente wie Diphenhydramin, Methylphenidat, Droperidol und
Metoclopramid können ebenfalls auslösend sein.
Unerwartete Änderungen des psychischen Befundes, Katatonie
ähnliche Zustände, Herzrasen, schneller Atem, hoher
Blutdruck, Sprech- und Schluckstörungen, Speichelfluss,
Schweißausbrüche, Inkontinenz, Anstieg der
Köpertemperatur, Rigor und CPK Anstieg im Labor können
Hinweise auf den Beginn eines malignen Neuroleptika induzierten
Syndroms sein. Die wichtigsten Zeichen sind Fieber, autonome
Instabilität und Rigor. Meist beginnt das maligne
Neuroleptika induzierte Syndrom weniger als 10 Tage (selten bis
zu 2 Monate) nachdem die Behandlung mit dem auslösenden
Medikament begonnen wurde, innerhalb von 2 Tagen 8selten
innerhalb weniger Stunden) entwickelt es sich meist zum Vollbild.
Diagnose: Fieber messen, Blutdruck kontrollieren (kann hoch oder
nieder sein, ist oft labil), CPK Anstieg auf 10 000–40 000
U/l in den meisten Fällen (kann aber auch nur leicht sein),
erhöhte LDH, Leukozytose mit oder ohne Linksverschiebung,
Proteinurie und Myoglobinurie, Hyponatriämie und
Hypernatriämie, niedriges Serumeisen, Serumkalzium und
Magnesium, metabolische Azidose und Hypoxie, im EEG diffuse
Verlangsamung, leichte Eiweißerhöhung im Liquor. Die
Behandlung des Vollbildes muss auf der Intensivstation erfolgen.
- Ananth J, Aduri K, Parameswaran S, Gunatilake S. Neuroleptic
malignant syndrome: risk factors, pathophysiology, and treatment.
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NeuroTransmitter 6/2000 |
|
Amisulprid (Solian®)
|
Selektive Blockade Adenylatzyklase unabhängiger
D2-Rezeptoren mit mesolimbischer Präferenz. In niederer
Dosierung (50–100 mg) Wirkung gegen Negativsymptomatik
durch präsynaptische Blockade an Dopaminrezeptoren, in
höherer Dosierung antipsychotischer Effekt.
|
|
Clozapin (Leponex®, Elcrit®, Clozapin-neuraxpharm®)
|
Die 5-HT2a/c- und D4-Rezeptorbesetzung wird, neben einer
indirekten glutamatergen Wirkung, als ausschlaggebend für
die antipsychotische Wirksamkeit und die positive Beeinflussung
von Negativsymptomen angesehen. |
|
Olanzapin (Zyprexa®)
|
Blockade von mACh-, 5-HT2-, D1-5-Rezeptoren; außerdem
von Alpha 1/2- und H1-Rezeptoren.
|
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Quetiapin (Seroquel®) |
Bindet vorwiegend an 5-HT2a-, 5-HT7-, D2-, und Alpha
1-Rezeptoren: Keine Affinität zu D4- und mACh-Rezeptoren. |
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Risperidon (Risperdal®) |
In erster Linie Besetzung von 5-HT2a(c)-, 5-HT7-, D2-, Alpha
1-, Alpha 2-Rezeptoren.
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Sertindol (Serdolect®) |
Phenylindolderivat. Bindet vorwiegend an 5-HT2a/c-, 5-HT7-,
D2-, und Alpha 1-Rezeptoren. |
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Ziprasidon (Zeldox®)
|
vorwiegend kombinierter 5-HT2a- und D2-Antagonismus und Alpha
1-adrenolytisch, -antimuskarinerg. |
|
Zotepin (Nipolept®) |
Bindet vorwiegend an 5-HT2a/c-, 5-HT6/7-, H1- und Alpha
1-Rezeptoren. Außerdem Noradrenalin-Rückaufnahmehemmer,
was gewisse antidepressive Eigenschaften vermuten lässt. |
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Gewichtsveränderung unter Neuroleptikatherapie
ein Vergleich (Zu möglichen Konsequenzen siehe unter
Übergewicht) |
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Substanz/Therapie
|
Mittlere Gewichtsveränderung nach 10 Wochen
(kg) Aktuelle Bewertung
neuer/atypischer Neuroleptika Nervenarzt 2000 · 71:329–344
Springer-Verlag 2000 H.-J. Möller))
|
Standard-
abweichung
bei Möller
|
Allison et al, Antipsycotisc induced
weigth gain, Am. J. Psych 1999156; 1686-1696
|
Ganguli, R. Weigth gain ass. with
antipsychotic drugs. JClin Psychiatry 1999, 60 Suppl. 21, 20-21
|
Wetterling et al., Weigth gain Side
Effekt of atyp. neuroleptics J Clin. psychopharmacol 1999;
19; 316-321
|
Wirsching et al. Novel
antipsychotics: comparison of weigth gain liabilities;
JClin Psychiatry 1999, 60; 358-363
|
|
Plazebo
|
–0,74
|
0,44
|
|
|
|
|
|
Ziprasidon
|
0,04
|
0,27
|
|
|
|
|
|
Fluphenazin |
0,43
|
0,55
|
1,13
|
1,7
|
0,1(+/- 2,1)
|
|
|
Haloperidol
|
1,08
|
0,37
|
0,51
|
3,0
|
1,3(+/- 4,6)
|
3,5(+/- 4,1)
|
|
Nichtpharmakologisch behandelte Kontrollgruppe |
1,33
|
0,25
|
|
|
|
|
|
Therapie mit mehreren Substanzen |
1,82
|
0,50
|
|
|
|
|
|
Risperidon
|
2,10
|
0,21
|
1,67
|
-0,8
|
2,7(+/- 3)
|
4,1(+/- 3,4)
|
|
Chlorpromazin
|
2,58
|
0,85
|
|
|
|
|
|
Thioridazin/Mesoridazin
|
3,19
|
0,92
|
|
|
|
|
|
Olanzapin
|
4,15
|
0,17
|
4,17
|
2,1
|
|
8,0 (+/- 6,0)
|
|
Clozapin
|
4,45
|
0,73
|
5,67
|
|
4,2(+/- 3,4)
|
7,5 (+/- 6,0)
|
|
Pimozid
|
|
|
2,69
|
|
0,0 (+/- 2,5)
|
|
|
Zotepin
|
|
|
|
|
4,0(+/- 4,1)
|
|
|
Sulpirid
|
|
|
|
|
2,6(+/- 2,5)
|
|

Zeitige Aufklärung über das Risiko der
Gewichtszunahme, eine Ernährungsumstellung mehr Bewegung
sind sicher die bewährtesten Methoden das Gewicht zu halten.
Möglicherweise bietet die zusätzliche Gabe von
Amantadin eine Möglichkeit die Gewichtszunahme in Grenzen zu
halten. Theoretisch ist aber nicht auszuschließen, dass
hierdurch die antipsychotische Wirksamkeit abgeschwächt
wird. Karen A. Graham et al., Double-Blind, Placebo-Controlled
Investigation of Amantadine for Weight Loss in Subjects Who
Gained Weight With Olanzapine Am J Psychiatry 2005 162:
1744-1746. [Abstract]
[Full
Text] [PDF
Zum Diabetesrisiko: Das
April
2004 Supplement des The British Journal of Psychiatry
veröffentlicht eine Zusammenfassung der komplexen
Daten zu den Zusammenhängen zwischen Diabetes und
Schizophrenie. Wahrscheinlich ist, dass manche Atypika
besonders Clozapin und Olanzapin das Risiko an Diabetes m. Typ 2
zu erkranken erhöhen. Sicher sind auch diese Daten nicht.
Bei genauer Sichtung der Datenlage ist auch zweifelhaft ob die
Daten überhaupt einen Unterschied zwischen den einzelnen
Medikamenten beweisen könne. Es könnte auch an der
Erkrankung an sich liegen. Auch die Erkrankung an sich
vergrößert nach der Datenlage das Risiko. Lange vor
Einführung der Neuroleptika (mehrere Studien ab 1919)
war ein Zusammenhang zwischen Schizophrenie und erhöhtem
Zucker in der Diskussion. Bereits bei der ersten Erkrankung an
Schizophrenie vor Behandlung mit Medikamenten weisen Patienten
die an einer Schizophrenie leiden nicht nur erhöhte
Risikofaktoren für einen Diabetes auf, sie haben auch
gehäuft eine gestörte Glukosetoleranz. Daneben sind
auch Buthochdruck und Fettstoffwechselstörungen bei
schizophrenen Patienten häufiger. Auch Phenothiazine
verursachen möglicherweise eine gestörte
Glukosetoleranz. Ob der Stress durch die Erkrankung an sich
ein Grund für das erhöhte Diabetesrisiko ist, ist nicht
sicher bekannt. Schizophreniepatienten sollten also
generell auf das Vorliegen eines Diabetes in adäquaten
Abständen untersucht werden. Eine Veränderung der
Lebensgewohnheiten mit mehr Bewegung und gesünderem Essen
hilft auch Patienten, die an einer Schizophrenie erkrankt sind.
In einer kleinen Studie konnte die Gewichtszunahme und
Insulinresistenz durch Olanzapin durch Hinzugabe von
Metformin 750 mg/Tag verhindert werden. Ob sich diese
Kombination für die Routineanwendung ,ggf auch mit Clozapin
eignet ist noch nicht beurteilbar. (Am J Psychiatry 2008 165:
352-358
[Abstract])
|
Rangordnung des Diabetesrisikos Atypischer
antipsychotischer Medikamente (geordnet in absteigender
Reihenfolge), angepasst nach Diagnosis, Dauer der
antipsychotischen Behandlung, Veranlagung für Diabetes,
Rauchen...
|
|
|
Clozapin
|
Olanzapin
|
Risperidon
|
Konventionelle Neuroleptika
|
|
Prävalenz des Diabetes
|
1
|
2
|
4
|
3
|
|
Hyperglykämie (nüchtern)
|
1
|
2
|
3
|
4
|
|
Hyperinsulinämie (nüchtern)
|
2
|
1
|
3
|
4
|
|
Gesamtcholesterin
|
1
|
3
|
4
|
2
|
|
Erhöhte Triglyzeride
|
1
|
2
|
4
|
3
|
|
Erhöhter BMI
|
2
|
1
|
3
|
4
|
|
Erhöhte Plasmaharnsäure
|
1
|
3
|
2
|
4
|
|
Summe des Rankings
|
9
|
14
|
23
|
24
|
|
Michael E.J. Lean and Frank-Gerald Pajonk Patients
on Atypical Antipsychotic Drugs: Another high-risk group for type
2 diabetes, Diabetes Care 2003 26: 1597-1605 Abstract]
[Full
Text]
|
|
|
Antipsychotikum
|
|
Nebenwirkung |
Haloperidol
|
Amisulprid
|
Clozapin |
Olanzapin
|
Risperidon
|
Quetiapin
|
Ziprasidon
|
Aripiprazol |
|
Akathisie/ Parkinsonismus |
+++
|
0 - +
|
0
|
0 - +
|
0 - ++
|
0 - +
|
0 - +
|
+
|
|
Dyskinesie
|
+++
|
(+)
|
0
|
(+)
|
(+)
|
?
|
?
|
?
|
|
epileptische Anfälle |
+
|
0
|
++
|
0
|
0
|
0
|
0
|
(+)
|
|
QT-Verlängerung |
+
|
0
|
++
|
0
|
0
|
0
|
+
|
0(?)
|
|
Verstopfung |
+
|
++
|
+++
|
++
|
++
|
+
|
0
|
0
|
|
Hypotension |
++
|
0
|
(+)
|
(+)
|
++
|
++
|
+
|
+
|
|
Agranulozytose
|
0
|
0
|
+
|
0
|
0
|
0
|
0
|
0
|
|
Prolaktinerhöhung // |
+++
|
+++
|
0
|
(+)
|
++
|
(+)
|
(+)
|
0
|
|
Galaktorrhoe / |
++
|
++
|
0
|
0
|
++
|
0
|
0
|
0
|
|
Dysmenorrhoe/Amenorrhoe |
++
|
++
|
0
|
0
|
++
|
(+)
|
0
|
0
|
|
Sedierung |
+++
|
0 - (+)
|
+++
|
+ - ++
|
+
|
++
|
0 - (+)
|
0
|
|
Malignes
neuroleptische Syndrom |
(+)
|
?
|
(+)
|
(+)
|
(+)
|
(+)
|
?
|
(+)
|
Frequenz und Schwergrad der
Nebenwirkungen nach Informationen der Pharmafirmen, FDA und
Literatur (z.B.: APA 2004). 0= kein Risiko; (+)= gelegentlich,
möglicherweise nicht häufiger als unter Plazebo, +=
leicht (<1%); ++= manchmal (<10%); +++= häufig (>10%);
? keine ausreichenden Daten, Nach World Federation of Societies
of Biological Psychiatry (WFSBP) Guidelines for Biological
Treatment of Schizophrenia, Part 1: Acute treatment of
schizophrenia, The
World Journal of Biological Psychiatry, 2005; 6(3): 132 -191 |
Antipsychotika und Mortalität (Sterblichkeit) Wegen der
negativen Stoffwechseleffekte, besteht vielerorts die Vermutung, dass so
genannte atypische Antipsychotika die Sterblichkeit von Patienten,
die an einer Schizophrenie leiden, erhöhen. Eine finnische Studie
untersuchte nun im Nationalen Register Finnland die ursachenspezifische
Sterblichkeit von 66 881 Patienten mit einer Schizophrenie im
Vergleich
zur gesamten finnischen Bevölkerung (5,2 Millionen) zwischen 1996 und
2006 und glich diese Daten mit den von den jeweiligen Patienten
eingenommenen Antipsychotika ab. Obwohl der Einsatz von Atypika in
diesem Zeitraum von 13% auf 64% anstieg, veränderte sich der
Unterschied in der Lebenswartung zwischen Patienten, die an einer
Schizophrenie leiden und der Gesamtbevölkerung nicht. Im Alter von 20
Jahren haben Patienten mit der Erkrankung 1996, eine Lebenserwartung von
32,5 Jahren verglichen mit 57,5 Jahren für die
Allgemeinbevölkerung. 2006 betrug die weitere Lebenswartung 20 jähriger
Patienten, die an einer Schizophrenie leiden 37,4 Jahre verglichen
mit 20 jährigen in der Allgemeinbevölkerung, die eine weitere
Lebenswartung von 59,9 Jahren hatten. Die Lebenserwartung von
Patienten, die an einer Schizophrenie leiden, hat sich also im
Studienzeitraum verbessert. Die Medikamentendosen haben sich im
Studienzeitraum nicht verändert.
Patienten, die an einer Schizophrenie leiden und langfristig ein
Antispychotikum einnahmen, lebten länger, als Patienten, die kein
Medikament einnahmen (HR 0.81, 95% CI 0.77 - 0.84). Je länger die
Patienten kontinuierlich ein Antipsychotikum einnahmen umso geringer
ihre Sterblichkeit in dieser großen Studie. Im Vergleich der
Antipsychotika zu Perphenazin schnitt das erste Atypikum Clozapin am
besten ab. Die Einnahme von Clozapin ist mit der deutlichsten
Verlängerung der Überlebenszeit bei Patienten, die an einer
Schizophrenie leiden, vergesellschaftet.
Clozapinpatienten hatten in dieser Studie eine sehr gute
Adhärenz, verglichen mit den anderen Medikamenten, was auch auf
eine subjektiv gute Verträglichkeit hinweist. Dies obwohl
auch in Finnland der Einsatz von Clozapin sehr restriktiv gehandhabt
wird. Nur Patienten die andere Antipsychotika nicht vertragen haben oder
auf andere Antipsychotika nicht angesprochen haben, erhalten Clozapin,
auch werden insgesamt die schwerer Kranken mit Clozapin behandelt,
darunter auch die Patienten mit dem höchsten Suizidrisiko. Die Autoren
dieser Studie empfehlen die restriktive Verwendung von Clozapin nach den
jetzigen Daten zu
überdenken. Quetiapin schnitt in dieser Studie bezüglich der
Überlebenszeit am schlechtesten ab, obwohl die metabolischen
Nebenwirkungen deutlich geringer sind als bei Clozapin oder dem damit
verwandten Olanzapin. Die Nutzen- Schaden Abwägung bezüglich der
Antipsychotika bei Patienten, die an einer Schizophrenie leiden
ist für die aktuelle Lebensqualität in jedem Fall positiv für die
Einnahme, diese Studie hat gezeigt, dass trotz oben erwähnter negativer
Wirkungen auf verschiedene Stoffwechselparameter, die
Medikamenteneinnahme auch die Lebenserwartung signifikant verbessert.
Die hier besprochene Studie zeigt auch deshalb sehr relevante
Ergebnisse, als es bisher die größte Studie zur Sterblichkeit von
Patienten, die an einer Schizophrenie leiden, ist, und diese Studie fast
so viele Patienten und Todesfälle einschließt als alle anderen Studien
zusammen. Sterblichkeit und
Adhärenz oder Therapietreue sind sehr relevante und eindeutige und
aussagekräftige Studienparameter. Möglicher Schwachpunkt der
Studie ist, dass die Sterblichkeit an Herzinfarkten etc. durch
Medikamentennebenwirkungen sich möglicherweise in einer 11 jährigen
Studie noch nicht eindeutig darstellt. Das erhöhte Herzinfarktrisiko,
das die CATIE -Studie (Schizophr
Res. 2008 Oct;105(1-3):175-87) für Olanzapin errechnete, hat
sich in dieser aktuellen Studie nicht dargestellt. Der Autor dieser Studie hat bisher auch keine Vorträge für
Firmen gehalten, die Clozapin produzieren, es gibt keinen Anhalt für
einen Interessenkonflikt. Clozapin ist als Generikum preiswert und wird
nicht beworben, die Anwendung bedarf der Überwachung und führt dazu,
dass Ärzte mehr Arbeit mit ihren Patienten haben, so dass alleine das zu
einer eher restriktiven Verordnungsweise führt. Ein erfreuliches
Nebenergebnis ist auch, dass Thioridazin nicht zu einer vermehrten
Sterblichkeit führte, Thioridazin ist das Antipsychotikum mit der
stärksten Verlängerung der QT- Zeit, sicherlich wurden die Patienten
unter Thioridazin mit EKGs überwacht, dennoch ist die fehlende Häufung
von plötzlichem Herztod, für Patienten die Thioridazin einnehmen
beruhigend. Clozapin ist vermutlich das wirksamste
Antispsychotikum, als einziges Antispsychotikum hat es eine in sehr
vielen Studien gut nachgewiesenen Suizid vorbeugende Wirkung. Die
Gabe von Clozapin setzt eine regelmäßige Blutbildkontrolle, in den
ersten 18 Wochen wöchentlich und später alle 4 Wochen voraus, da es bei
einem kleine Prozentsatz von Patienten überwiegend in den ersten 10
Wochen zu Störungen der Bildung der Leukozyten (weißer Blutzellen) bis
zur gefährlichen Agranulozytose kommen kann. Gewichtszunahme, zu
Beginn der Behandlung orthostatische Reaktionen (Blutdruckabfall beim
Aufstehen aus liegenden oder sitzender Position), sind die
häufigsten Nebenwirkungen, bei manchem Patienten können Krampfanfälle
auftreten, so dass EEG- Kontrollen sinnvoll sind. Bei zu rascher
Aufdosierung sind auch schwere orthostatische Reaktionen mit Stürzen und
kurzzeitigen Bewusstlosigkeit möglich. Zu den weiteren
Nebenwirkungen siehe Beipackzettel. Bei Verordnung von Clozapin müssen
die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beachtet werden. Wirkstoffe, die die Blutbildung
selbst auch unterdrücken können wie Carbamazepin, Chloramphenicol,
Sulfonamide [z. B. Co-Trimoxazol], Pyrazolone, manche Analgetika [z. B.
Phenylbutazon, Metamizol], Penicillamin, sollten wenn möglich nicht
gleichzeitig eingenommen werden. Die gleichzeitige Gabe von
Benzodiazepinen erhöht das Risikos eines Kreislaufkollapses,
Substanzen mit sehr hoher Proteinbindung (z. B. Marcumar und Digoxin)
erhöhen die Plasmakonzonzenbtration von Clozapin. Phenytoin führt
führt zu einem Abfall der Plasmakonzonzenbtration von Clozapin. Koffein u. selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (Fluvoxamin und Paroxetin)
führen zu einem Anstieg des Clozapin-Spiegels. Phenytoin, Rifampicin,
und Omeprazol senken den Clozapin-Plasmaspiegels. Valproinsäure kann in
der Kombination schwere epileptische Anfälle
einschließlich des erstmaligen Auftretens von Krampfanfällen bei Nicht-Epileptikern
und Delirien auslösen. Zu den Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
siehe auch den Beipackzettel. Die Behandlung mit Clozapin bedarf in
jedem Fall der Überwachung, am sinnvollsten durch einen Facharzt.
Jari Tiihonen, Jouko Lönnqvist, Kristian Wahlbeck, Timo Klaukka, Leo
Niskanen, Antti Tanskanen, Jari Haukka 11-year follow-up of
mortality in patients with schizophrenia: a population-based cohort
study (FIN11 study)
www.thelancet.com Published online July 13, 2009
DOI:10.1016/S0140-6736(09)60742-X
http://download.thelancet.com/flatcontentassets/pdfs/S014067360960742X.pdf
Antipsychotika machen nicht süchtig,
sie dürfen dennoch nicht abrupt abgesetzt werden. Auch
beim Umsetzen auf ein anderes Antipsychotikum ist in der Regel
das überlappende Ausschleichen sinnvoller. Bei abruptem
Absetzen können akut psychotische Symptome durch das
Absetzen provoziert werden. Dies trifft möglicherweise in
besonderem Maße (und vielleicht auch ausschließlich)
für die klassischen Antipsychotika der ersten Generation
(Haldol, Fluphenazin etc) zu. Sicherheitshalber sollte man aber
auch Atypika nicht abrupt absetzen. Möglicherweise
sind hier besonders Patienten mit einer Neigung zu
Supersensitivitätspsychosen betroffen, was aber immerhin
jeder 5 an einer Schizophrenie erkrankte Patient wäre. Unter
Supersensitivitätspsychosen sollen durch eine Schädigung
cholinerger Interneurone in striären Strukturen als Folge
der Antipsychotikatherapie und einer Empfindlichkeitssteigerung
(upregulation) postsynaptischer dopaminerger D2-Rezeptoren
(körpereigene Gegenregulation) durch Antipsychotika zustande
kommen. Auch nach diesen (noch nicht ganz gesicherten)
Vorstellungen wäre die Behandlung mit Atypika und
möglicherweise im Besonderen die Behandlung mit
Antipsychotika der 3. Generation für zumindest einen Teil
der Patienten langfristig erheblich günstiger. Sollten die
o.g. Vorstellungen sich bestätigen wäre bei diesen
Patienten (mit Supersensitivitätspsychosen, jeder 5. Patient
mit einer Schizophrenie) auch eine irreversible
Substanzschädigung durch die klassischen Neuroleptika zu
rechnen, die mit dazu beiträgt die Psychose aufrecht zu
erhalten. Dissertation Carl-Christian Moor, Gibt es
psychopathologische Besonderheiten bei
Supersensitivitätspsychosen? 2000, an der Ruhr-Universität
Bochum
 |
Anschrift des Verfassers:
(Praxisadresse) |
|
Feedback: |
Karl C. Mayer |
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Bergheimerstraße 56a |
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69115
Heidelberg |
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